Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

47

Ebene dem Tode entgingen, fanden sie ihn bei uns in denBergen, und insofern beide kriegende Thcile cs für billigachteten, einander auf unserem Grund und Boden zu berau-ben und niedcrzumachen, so griffen wir ihnen auch auf dieHauben. Damals ging selten ein Bauer in den Büschenohne Feuerrohr, weil wir zu Hause bei unseren Hauen undPflügen nicht bleiben konnten. In demselben Tumulte be-kam ich nicht weit von meinem Hofe in einem wilden Unge-heuern Walde eine schöne junge Edclfrau sammt einemstattlichen Pferde zu Gesichte, nachdem ich zuvor nicht weitdavon etliche Büchsenschüsse gehört hatte. Ich sah sie an-fänglich für einen Kerl au, weil sic so männlich daher ritt;aber indem ich sie sowohl Hände als Augen gegen den Him-mel aufheben sah und auf Welsch mit einer erbärmlichenStimme zu Gott rufen hörte, ließ ich mein Rohr, mit demich Feuer auf sie geben wollte, sinken und zog den Hahnwieder zurück, weil ihr Geschrei und ihre Gcberden mich ver-sicherten, daß sie ein betrübtes Weibsbild wäre, das michalsobald zum Mitlciden bewegte. Mithin näherten wir unseinander, und da sie mich sah, sagte sie: ,,Ach! wenn Ihrein ehrlicher Christenmcnsch seid, so bitte ich Euch um Got-tes und seiner Barmherzigkeit, ja um des jüngste» Gerichteswillen, vor welchem wir Alle um unser Thun und LassenRechenschaft geben müssen: Ihr wollet mich zu ehrlichenWeibern führen, die mich unter göttlichem Beistände vonmeiner Leibesbürde entledigen helfen!"" Diese Worte,die mich so großer Dinge erinnerten, sammt der holdseligenAussprache und der, zwar betrübten, doch überaus schönenund anmuthigen Gestalt der Frau, zwangen mich zu solcherErbärmde, daß ich ihr Pferd beim Zügel nahm und sie durch