Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

41

grobe Unbesonnenheit, die mich verderbte und in alles Un-glück stürzte. Ich wendete viel auf Kuppler und Kupple-rinnen, um zu versuchen, ob ich vielleicht durch diese meinenZweck erreichen und durch eine noch größere Sünde meinensündlichcn Begierden Genugthuung verschaffen könnte. Aberich traf nicht, wornach ich zielte, sondern fand vielmehr,daß eine Bauerndirne dasjenige verschmäht, was etwa» An-dere von mir gewünscht hätten, und dieses machte mich schierhalb unsinnig. Ich Narr! hätte ja schon aus unserenKleidungen, als aus einem bösen Vorzeichen, abnehmensollen, daß mir ihre Liebe nicht wohl ausschlagen würde;denn da mir mein Herzbruder, diesem Mägdlein aber ihreEltern gestorben waren, und wir daher alle Beide in Trauer-kleidcrn aufzogen, als wir einander das Erstemal sahen;was hätte unsere Buhlschaft da für eine Fröhlichkeit bedeu-ten sollen? Mit einem Worte, ich war mit den Strickender Venus, oder besser zu sagen, mit dem Narrenseile recht-schaffen verstrickt, und deshalb ganz blind und ohne Ver-stand, wie das Kind Cupido selbst, und weil ich mir meineviehischen Begierden nicht anders zu sättigen getraute, soentschloß ich mich, sie zu heirathcn.Was!" so dachteich bei mir,du bist deines Herkommens doch nur einBaucrssohn und wirst dein Lebtage kein Schloß besitzen.Dieses Revier ist ein cdcles Land, das sich gleichwohl diesganze grausame Kriegswesen hindurch im Wohlstand und inder Blüthe befunden hat. Ucberdies hast du noch Geldgenug, auch den besten Bauernhof in dieser Gegend zu be-zahlen. Du willst dieses edle und ehrliche Bauerngretleinheirathcn und dir einen geruhigen Herrenhandel mitten un-ter den Bauern schaffen. Wo wolltest du dir denn eine