achtsam, sondern mit großem Flcißc zu und erwog aus an-genommener Gewohnheit gleichsam täglich, wie doch eine soHelle und hohe Stimme und ein so wohllautender Klangaus einem so kleinen Pfciflcin oder Kanälchen kommenkönnte. Als ich mich nun mit Anhörung des lieblichstenVogelgesanges also eine ziemliche Zeit ergötzte und mir ein-Lildete, daß die Nachtigall durch ihre Lieblichkeit andereVögel banne, still zu schweigen und ihr zuzuhörcn, entwe-der aus Schaam, oder um ihr von solch einem anmuthigcnKlange etwas abzustchlcn, da näherte sich jenseit des Was-sers eine Schönheit an das Gestade, die mich — weil sicnur das Kleid einer Vaucrndirne antrug — mehr bewegte,als ein stattliches Fräulein sonst zu thun vermocht hätte.Diese hob einen Korb vom Kopfe, in welchem sic einenBallen frische Butter trug, um denselben im Sauerbrunnenzu verkaufen. Sic erfrischte den Butterballcn im Wasser,damit er wegen der großen Hitze nicht schmelzen sollte.Unterdessen setzte sie sich in das Gras nieder, warf ihrenSchleier und Bauernhut von sich und wischte den Schweißvon ihrem Angesichte, also daß ich sic genugsam betrachtenund meine vorwitzigen Augen an ihr weiden konnte. Dadünkte mich's, ich hätte die Tage meines Lebens noch keinschöneres Mensch gesehen. Das Ebenmaß ihres Leibesschien vollkommen und ohne Tadel, die Arme und Händeschneeweiß, das Angesicht frisch und lieblich, die schwarzenAugen aber voller Feuer und liebreizender Blicke. Als sicnun ihre Butter wieder cingcpackt hatte, schrie ich hinüber:„Ach, Jungfer! Ihr habt zwar mit Euren schönen HändenEure Butter im Wasser abgckühlt, hingegen aber meinHerz durch Eure klaren Augen in's Feuer gesetzt!" So-
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Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Seite
39
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