Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

72

und Neckarwein trinken, und das genießen, was die Wei-marischen verdienen werden." Aber ich betrog mich garweit! Denn weil ich nunmehr Weimarisch war, so war ichauch vorherbestimmt, Breisach mit belagern zu Helsen, wiedenn solche Belagerung gleich nach der mehrfach erwähntenWittenweier Schlacht völlig in's Werk gesetzt wurde, woich dann, wie andere Musketiere, Tag und Nacht wachenund schanzen mußte, und nichts davon hatte, als daß ichlernte, wie man einer Festung mit den Laufgräben zusetzenmuß, auf was ich vor Magdeburg wenig Achtung gegebenhatte. Im klebrigen aber war cs lausig genug mit mir be-stellt, weil je zwei oder drei auf einander saßen. DerBeutel war leer und öde, Wein, Bier und Fleisch eine Sel-tenheit, Aepfel und hartes schimmliges Brod jedoch küm-merlich genug mein bestes Wildprct.

Solches war mir sauer zu ertragen, und ich hatte dazuUrsache, wenn ich an die ägyptischen Fleischtöpfe, das heißt,an die wcstphälischen Schinken und Knackwürste zu Lippstadtzurückdachtc. Ich dachte niemals mehr an mein Weib, alswenn ich in meinem Zelte lag und vor Frost halb erstarrt war.Da sagte ich dann oft zu mir selber:Hui, Simplicius!

meinst du etwa noch, es geschähe dir Unrecht, wenn dirEiner wieder wett spielte, was du zu Paris begangen hast?"Und mit solchen Gedanken quälte ich mich, wie ein anderereifersüchtiger Hahnrei, während ich doch meinem Weibenichts Anderes als Ehre und Tugend zutrauen konnte. Zu-letzt wurde ich so ungeduldig, daß ich meinem Hauptmannecröffnete, wie meine Sachen bestellt wären. Ich schrieb auchmit der Post nach Lippstadt und erhielt vom Obersten deS. A. und von meinem Schwiegervater, daß sie vermittelst