Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

der wird für einen Narren gehalten, weil ei» Thcil densel-ben gar nicht, Andere aber ihn nur halb sehen lassen. Die-jenigen, welche den ihrigen ganz und gar unterdrücken, sindrechte Saucrtöpfe; diejenigen aber, welche den ihrigen nachGelegenheit der Zeit bisweilen ein wenig mit den Ohrenhcrvortragcn und Athcm schöpfen lassen, damit er nicht garbei ihnen ersticke, die halte ich für die besten und.verstän-digsten Leute. Ich ließ den mcinigcn nur zu weit heraus,da ich mich in einem so freien Stande sah und noch Geldwußte, wie ich den» einen Jungen annahm, den ich alseinen Edelpagcn kleidete, und zwar in die närrichsten Farben,nämlich ocilchcnblau und gelb ausgemacht, was meine Livreisein mußte, weil es mir so gefiel. Derselbe mußte mir auf-wartcn, als wenn ich ei» Freiherr und kurz zuvor kein Dra-goner, oder vor einem halben Jahre ein armer lausigerNohbubc gewesen wäre.

Dies war die erste Thorhcit, welche ich in dieser Stadtbeging, und obgleich sie ziemlich groß war, so wurde siedoch von Niemanden gemerkt und noch viel weniger geta-delt. Aber was macht es? Die Welt ist der Thorhcitcnso voll, daß sie Keiner mehr achtet, noch dieselben verlachtoder sich darüber verwundert, weil sic deren gewohnt ist.So hatte ich auch den Ruf eines klugen und guten Solda-ten, und nicht eines Narren, der die Kinderschuhe noch trägt.Ich dingte mich und meinen Jungen meinem Hausvater indie Kost, und gab ihm an Bezahlung auf Abschlag, wasmir der Kommandant wegen meines Pferdes an Fleisch undHolz verehrt hatte. Zum Getränk aber mußte mein Jungeden Schlüssel haben, weil ich denen, die mich besuchten, gerndavon mitthcilte. Denn sintemal ich weder Bürger noch