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Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
78
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hatte mir einen unruhigen Floh in's Ohr gesetzt und michüberredet zu glauben, als ob mich Jedermann neide, wie csdenn in der Wahrheit auch nicht anders war. So erinnerteich mich auch dessen, was mir die berühmte Wahrsagerinz» Soest ehemals gesagt hatte, und belud mich deshalb mitnoch größeren Sorgen. Mit diesen Gedanken schärfte ichmeinen Verstand trefflich und nahm wahr, daß ein Mensch,der ohne Sorgen dahin lebt, fast wie ein Stück Vieh sei.Ich sann aus, welcher Ursache halber mich wohl der Eineoder der Andere hassen möchte, und erwog, wie ich einemJeden begegnen müsse, damit ich dessen Gunst wieder er-lange. Daneben verwunderte ich mich auch auf's Höchste,daß die Kerle so falsch sei» und mir lauter gute Wortegeben sollten, da ste mich doch nicht liebten. Deswegengedachte ich mich anzustellen, wie die Anderen, und zu reden,was einem Jeden am Besten gefiele und am Angenehmstenwäre, auch Jedem mit Ehrerbietung zu begegnen, obschones mir nicht um's Herz wäre. Vornehmlich aber merkte ichklar und deutlich, daß meine eigene Hoffart mich mit denmeisten Feinden beladen hatte, und ich hielt deswegen fürnöthig, mich wieder dcmüthig zu stellen, obschon ich cs nichtsei, mit den gemeinen Kerlen wieder unten und oben zuliege», vor den Höheren dagegen den Hut in den Händenzu tragen, und mich der Klciderpracht in Etwas abzuthun,bis sich etwa mein Stand ändern würde. Ich hatte mirvon jenem Kaufherrn in Köln hundert Thaler geben lassen,mit dem Versprechen, dieselben sammt den Zinsen wiederzu erlegen, wenn er mir meinen ihm anvertrautcn Schatzaushändigte. Diese gedachte ich unterweges der Convoihalb zu vcrspenden, weil ich nunmehr erkannte, daß der