Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

146

gewaltig, zumal da ich an diesem Orte auch keine Kundenhatte, wie anderswo, die mir und den Weinigen heimlichetwas zutrugen. Deswegen mußten wir, um Fütterungzu bekommen, auf andere Mittel bedacht sein, wenn wiranders nicht leer wieder heim gehen wollten. Mein Kame-rad, ein lateinischer Handwerksgeselle, der erst kürzlich ausder Schule entlaufen war und sich hatte anwerbcn und un-terhalten lassen, seufzte vergeblich nach der Gerstensuppe,welche ihm ehedem seine Eltern zum Besten verordnet, eraber verschmäht nnd verlassen hatte; und als er so an seinevorigen Speisen überhaupt dachte, erinnerte er sich auchseines Schicksals, bei welchem er solche genossen hatte.Ach, Bruder!" sagte er zu mir,ist es nicht eine Schande,daß ich nicht so viel Künste erstudirt haben soll, vermittelstderen ich mich jetzund füttern könnte? Bruder ! ich weißin der That, wenn ich nur zum Pfaffen in jenes Dorfgehen dürfte, daß es ein treffliches Sanfgclag bei ihm setzensollte!" Ich überlegte diese Worte ein wenig bei mir nndermaß sofort unfern Zustand. Und weil diejenigen, welcheWege und Stege wußten, nicht hinaus durften, denn siewären sonst erkannt worden, die Unbekannten aber keineGelegenheit wußten, etwas heimlich zu stehlen oder zu kau-fen, so machte ich meinen Anschlag auf unfern Studentenund hielt die Sache dem Hauptmann vor. Obgleich nundas Unternehmen Gefahr auf sich hatte, so hatte doch derHauptmann ein gutes Vertrauen zu mir, und unsere Sachewar so schlecht bestellt, daß er endlich darein willigte undnach wenigen Einwürfen seine Zustimmung gab.

Ich verwechselte meine Kleider mit einem Anderen undzettelte mit meinem Studenten besagtem Dorfe zu, und