Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

Das zweite Kapitel.

Simpler anzeiget, wenn gut sei zu baden.

Daß es dem Menschen werd' nimmermehr schaden.

Obzwar ich nun dergestallt aus dem Gänsestalle glück-lich entkommen war, so wurde ich doch jetzt erst meinesUnglücks recht gewahr. Denn meine Hosen waren voll,und ich wußte nicht wohin mit der Latwerge. In demQuartiere meines Herrn war Alles still und schlafend;daher durste ich mich der Schildwache, die vor dem Hausestand, nicht nähern; in der Wachtstube der Hauptwachewollte man mich nicht leiden, weist ich gar zu übel stank;auf der Gasse zu bleiben, da war mir's viel zu kalt und alsounmöglich. So wußte ich demnach nicht, wo aus noch ein.

Es war schon weit nach Mitternacht, als mir einfiel, ichsollte meine Zuflucht zu dem viclerwähnten Pfarrer neh-men. Ich folgte meinem Gutbefindcn, vor der Thürc an-zuklopfen, und war damit so impertinent, daß mich endlichdie Magd mit Unwillen cinließ. Als sie aber roch, was ichmitbrachte denn ihre lange Nase verrieth sogleich meineHeimlichkeit wurde sie noch schclligcr. Sie fing deswe- 'gen an mit mir zu keifen, was ihr Herr, der nunmehr fastausgcschlafen hatte, alsbald hörte. Er rief uns Beide vorsich an's Bette, gleichsam als ob er auch hätte Thcil habenwollen an dem guten Gerüche. Sobald er aber merkte, woder Hase im Pfeffer lag, und nachdem er die Nase ein we-nig gerümpft hatte, sagte er: es sei, ungeachtet alles dessen,was die Kalender schrieben, niemals besser, sich zu baden,