gen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel !denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohnhaben? thun solches nicht auch die Zöllner? und so ihreuch nur zu euern Brüdern freundlich thut, was thut ihrSonderliches? thun nicht die Zöllner auch also?" Aberich fand nicht allein Niemanden, der diesem Befehle Christinachzukommcu begehrte, sondern Jedermann that gerade dasWidcrspicl, und handelte schnurstracks dagegen. Es hieß:Viele Schwäger, viele Kncbelspicßc. Und nirgends fandsich mehr Neid, Haß, Mißgunst und Zank, als zwischenBrüdern, Schwestern und anderen angebvrnen Freunden,sonderlich wenn ihnen ein Erbe zu theilcn zugefallen war ;da stritten sie wohl Jahr und Lag mit einander mit solcherVerbitterung, daß sic in grimmer Wuth die Türken undTartaren weit übcrtrafcn. Auch sonst haßte das Handwerkaller Orten einander, also Laß ich handgreiflich sehen undschließen mußte, daß vor diesem die offenen Sünder, Publi-kanen und Zöllner, welche wegen ihrer Bosheit und Gott-losigkeit bei miinniglich verhaßt waren, uns heutige» Christenmit Uebung der brüderlichen Liebe weit überlege» gewesen;maßen ihnen Christus selbst das Zeugniß gicbl, daß sie sichunter einander geliebt haben. Daher betrachte»' ich, wennwir schon keinen Lohn haben, so wir die Feinde nicht lieben,was für großer Strafen wir dann gewärtig sei» müssen,wenn wir auch sogar unsere Freunde hassen. Wo die größteLiebe und Treue sein sollte, fand ich die höchste Untreueund den gewaltigsten Haß, Zank, Zorn, Feindschaft undWiderwärtigkeit. Mancher Herr schund seine getreuen Die-ner und Unterthanen; hingegen wurden etliche Untertha-nen an ihren frommen Herren zu Schelmen. Den unauf-
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Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
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