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Bürger an Gleim *).
Göttingen, den 20sten April 1789.
Gott segne den theuern, ehrwürdigen Vater Gleimmit Freude! Zn die lieben Hände, die ich kindlich mitThränen süßer Wehmuth küsse, lege ich eine arme kleineGabe, wofür ich mir einen gütigen, verzeihenden Blickfür mein langes Todtenschweigen, selbst bei Gelegenhei-ten, da Reden Pflicht war, von ihm erflehe. LieberVater, ich mochte ja lange, lange nicht mehr leben,wie hätte ich denn reden mögen, wenn auch Gott oderGöttinn mir die Lippen durch Küste hätten entsiegelnwollen? Ich habe es Allen so gemacht, wie IhneniAllen, Allen, die mir noch so wohl wollten.
Aber die Kühlungen im heiligen Hain Apollos habenmeine Seele, und die Balsame Aesculaps meinen Kör-per wieder erquickt, und es kommt mir seit einiger Zeitvor, als ob ich mich besser fühlte. Das Vorgefühlder Gesundheit, das ich Boien zusang, ist nichtganz poetische Fiction.
Sie werden in der Beilage manches Bächlein ent-decken, das aus der Hauptquclle der Freuden und Lei-den meines Lebens entsprang. Jene sind vertrocknet,und diese — nun, wenn sie nur nicht mehr über-schwemmen.
Lieber Gleim, wenn Ihnen auch nichts in dieser
') S. litcrar. Convers.-Bl. 182S. S. 136.