bald wieder haben muß.-In vierzehn Tagen ist
Herder hier, mit einer jungen Frau. Sie habenmich unendlich lüstern gemacht nach der Lenore, demLiede und Allem. Um des Himmels willen, täuschenSie mich nur nicht länger. Adio!
Boie.
5.
Gelliehausen, den lOten Mai 1773.
Hatt' ich Ihnen neulich geschrieben, daß ich eineso herrliche Ballade Lenore gemacht hätte? — Damuß ich mich häßlich verschrieben haben! mein,liebsterHerzens-Boie! — Ich will erst eine machen, die sovortrefflich seyn soll. Ha ha! he he! hi hi! ho ho! huhu! Aus allen Vocalen muß ich lachen, daß mir dochmein Kniff gelungen ist, und ich einige Manuscripteauf die Art Ihnen abgelockt habe. Sie erfolgen hierwieder zurück. Klopstocks Ode ist vortrefflich undsehr erhaben. Es herrscht der Geist der hohen heiligenAndacht darin. Von Millers Minneliedern däuchtmir ist das letzte vorzüglich minniglich.
Jetzt, mein lieber Boie, wacht mir doch das Gewissen auf, daß es unrecht ist, Sie so wegen der Bal-lade zu necken. Sie existirt! Aber Sie bekommen sieheute noch nicht, weil sie noch unter der Feile kreischt.Ich möchte gern, daß sie so untadelich als möglich,unter ihre Augen träte. Denn Ihr kritischen Bullen-beiffer mögt eure Zähne gewaltig darauf gewetzt haben.So überköstlich, als ich geprahlt habe, (ich muß esnur gestehen,) wird sie nicht seyn. Ich mußte prahlen,