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4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
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einer ängstlichen Erstickung wieder frei athmen kann.Ich eilte nach dem letzten Kusse meinem Zimmer zuund kaum brachte ich meine Augen trocken über dieStraße. Mein Herz war mir hoch heran geschwollen,und wären Sie länger geblieben, so hätte ich überlautweinen müssen. Man soll sich zwar seiner guten Em-pfindungen nicht schämen, allein ich verberge doch lieberdas Spiel derselben vor den stumpfen Seelen, die michumgeben. Gott im Himmel! was ist das für ein Mann!O Natur! Hast du noch mehr solche Söhne geboren?Nein! Nein! rief ich hitzig, so wahr der Herr lebt! esgibt keinen so edeln Mann, als Gleim ist, aus Erdenmehr! Ich contrastirte hierauf den großmüthigen, lieb-reichen Gleim mit denen, auf deren Liebe ich als Bluts-freund ein Näherrecht hätte. Gott! ich hätte fürWehmuth zergehen mögen bei dieser Vorstellung.Doch ich will hiervon abbrechen; diese Erinnerung möchtesonst gewisse Saiten in meinem Herzen zu stark rühren,ich möchte zu sehr wieder in das Weinen geralhcn unddann möchte ich diesen Brief nicht endigen können.

Aber, vortrefflicher Mann, sagen Sie mir doch,warum lieben Sie mich so? Ohnmöglich kann ich sovieler Liebe Werth seyn. Ach, wie sehr befürchte ich, daßSie vergeblich nach einer Ursache sinnen würden! Ganzgewiß enthält blos Ihr edel und weich geschaffenes Herz,dem jedes Geschöpf nahe gehen würde, wenn's sich nichtwohl befände, den Grund Ihres gütigen Betragens.Denn schon ehe Sie mich kannten, ehe Sie noch sonstetwas von mir wußten, als daß ich mich in unangeneh-men Umständen befände, interesirte sich dieses edle Herz