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führte der Tugend ist, zulassen, unscrn Maximen un-getreu zu werden; und je mehr wir um des Gewissensund der Rechtschaffenheit willen etwa schon gelittenhaben, desto theurer wird sie uns werden, desto mehrwerden wir unscrn Ruhm und unser Glück in ihr fin-den, und desto weniger werden wir an ihr, die in denWiderwärtigkeiten unsere Seele so mächtig stützte, diezur Zeit des Leidens und Trauerns so überschwänglichuns tröstete, zu Verräthern werden wollen. Je längerwir endlich der Weisheit Leitung schon gefolgt sind,desto größer wird bei uns das Uebergewicht der mora-lischen Antriebe über alle Bedenklichkeiten und äußer-lichen Hindernisse seyn, und desto stärker werden wiruns fühlen, unabhängig von allen menschlichen Urthei-len, unfern Adel und unsere Wohlfahrt auf das Zeug-n!ß unsers eigenen Herzens zu gründen. — O, wohldir, mein jüngerer Bruder, wenn du frühe schon dichzu dieser edeln Gleichgültigkeit gegen die Meinungenund Gesinnungen des, leider! allzuzahlreichen unauf-geklärten Hausens zu erheben suchest! Ohne dieseSelbstständigkeit des Characters, und ohne den Muth^deinen eigenen bewährten Einsichten mehr, als denBeispielen und den Urtheilen Anderer zu folgen, wirstdu nicht einmal einzelner großer Thaten, geschweigedenn einer dein ganzes Thun und Lassen regierendenTugendgesinnung fähig seyn. Ohne sie wirst du nie derMann werden, der für die höhern Beweggründe desWollens und Handelns Sinn haben, der sich in seinemStande unter seines Gleichen vortheilhaft auszeichnen,und sich um die Welt bleibende Verdienste erwerben