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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
455
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den Vorurtheilcn und den verderblichen Beispielen sei-ner Zeit unabhängig, unter der Leitung einer aufge-klärten Vernunft, den Gang der Weisheit und derTugend für sich zu wandeln. Mächtige Schwierig-keiten werden ihm freilich bei jedem Schritte aufstoßen,und fürchterliche Gefahren seiner Rechtschaffenheit vonallen Seiten drohen. Aber glückt cs ihm, hier ineiner Versuchung zu bestehen, dort in einer mißlichenLage, wo ihm für seine Tugend bange war, seinenGrundsätzen getreu zu bleiben, heute über denSpott eines angesehenen und glänzenden Thoren durchGegenverachtung zu siegen, morgen eine gefährlicheNeigung, welche, durch äußerliche Lockungen des Lastersaufgeregt, sich empöret, nieder zu schlagen, und derHerrschaft der Vernunft zu unterwerfen, findet erso sein Vertrauen zu sich selbst durch den Erfolg täg-lich mehr bestätigt und gerechtfertigt: so wird ihn derAnblick neuer Hindernisse und neuer Gefahren je längerje weniger schrecken. Er hoffet ähnliche Erfolge vonseinen schon durch die Erfahrung erprobten Kräften.Die süße Selbstzufriedenheit, womit nach jedem vor-hergegangenen Siege sein Herz sich beseligt fühlte,wird ihm ein mächtiger Sporn zur verdoppelten An-strengung, und der Gedanke, unterzuliegcn, wird ihmdesto unerträglicher, je mehr er schon aus eigenemGenüsse die hohen Freuden kennet, womit die trium-phirende Tugend sich selbst belohnet.

So ein mächtiger Antrieb aber zu großen undguten Unternehmungen der aus dem Gefühle eigenerKräfte entstehende Tugendmuth ist, so nothwendig muß