wechseln, da wechseln auch die Schreibgesetze. WennUmstände und Verhältnisse erfodern, daß die Geißelder Kritik rasch und derb auf fühllose Rücken falle, somuß der Pedant nicht die sanfte wellenförmige Schwung-bewegung der Grazien verlangen.
Der Leser, dem man schreibt, bestimmt des AutorsPflicht.
Wenn Aeußerungen der Unwissenheit und des Un-verstandes mich nicht ganz und gar betriegen, so herr-schen in den Köpfen des großen Haufens höchst son-derbare Begriffe von der Deutschen Sprache undSchreibart. Man scheinet einen Unterschied zwischengemeinem Deutsch und schönem Deutsch zumachen, und damit solche Begriffe zu verbinden, dienichts anders, als die zweckwidrigsten Ungereimtheitenhervorbringen müssen. Unter gemeinem Deutsch scheintman blos die Sprache der alltäglichen Nothdurft, unterschönem hingegen dasjenige zu verstehen, welches zwarseinen Mann zieren mag, aber doch zu Butter undBrot, worein so wohl gelehrter, als ungelehrter HansHagel fast ganz allein oder doch vorzüglich den Zweckaller Wissenschaften, alles Lebens, Strebens und Han-delns setzet, nicht schlechterdings nothwendig ist. Nunaber glaubet selten Jemand, daß es ihm an dem gemeinenDeutsch fehle. Das lernt sich ja, denkt er, vonKindesbeinen an ganz von selbst. Wenn daher einEhrenmann von solcher Einsicht für zuträglich achtet,in Ansehung seiner Muttersprache und Schreibart nochetwas hinzu zu lernen, so ist es blos das schöne,oder, wie noch genug Leute sich es denken und denen-