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Morgen liebe, morgen liebe,
Wer die Liebe nie gekannt!
Morgen liebe, morgen liebe,
Wer die Liebe schon empfand!
Durch die Herstellung des vollen, vorher zu kurzabgebrochenen Rhythmus schien zwar das eben hier-durch noch matter gewordene schon gekannt undnie empfand, welches der im vorhergehenden Verseschon angesangene Satz, wie die Schlange den halbabgeschlagenen Schwanz, nachschleppte, etwas gehobenzu werden; allein alle übrigen, meiner ersten Leseartzur Last fallenden Mängel blieben nicht nur, sondernwurden sogar noch durch das nunmehr in vier kurzenVersen sechs Mal tönende Liebe und durch das vier-malige morgen vermehrt. Auch geht durch dieWiederholung des Aufrufes: Morgen liebe, mor-gen liebe, die Ruhe, oder doch gemäßigte Lebhaftig-keit, die den Kehrreim billig charakteristren sollte, ineine ungehörige Unruhe, ja in eine fast ungestümeHeftigkeit über.
Da mir die nackte Einfalt des Originals und seinantithetisches Spiel gar sehr, und vielleicht zu sehraus Kosten der übrigen Eigenschaften, am Herzen la-gen, so glaubte ich, in der zweiten Auflage meiner Ge-dichte die vorigen Lesearten folgender Gestalt verbessertzu haben:
Morgen liebe, was auch nimmerNoch geliebet hat zuvor!
Was geliebt hat längst und immer,
Lieb' auch morgen nach wie vor!