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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
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Kunstrichter auf andern Stühlen, die ihr doch,meinem eigenen Wunsche gemäß, mir ebenfalls nichtsgeschenkt habt, vernehmt es von meinem und euermOberrichter, daß eurer so hoch gepriesenes BlümchenWunderhold, frei heraus gesagt, Tändeleiist! Und was alsdann anders, als albe rne Tändelei?Priester und Laien, durch Horazens: -8r urs me/sser-e verführt, glaubten bisher immer, die Empfin-dungen, welche der Dichter darstellt, müßten wahr,natürlich, menschlich seyn. Sie glaubten, alsdann ge-länge die Darstellung am besten, wann der Dichter sienicht sowohl erkünstelte, als vielmehr wirklich im Busenhegte. Der reise vollkommene Kunstgeist aber weiß eSbesser. Jdealisirt ja, idealisirt! müssen sie seyn.O Engel, Garve, Herder, Wieland, ich bitte euch,kommt doch herbei, diesen wundersamen aus AriostsMonde heruntergefallenen Fund mit mir zu betrachten! Ha! daß nicht die Lessing, die Mendelssohn, dieSulzer in ihren Gräbern sich noch umwenden! Meineneuern Gedichte, sonderlich die an Molly, taugen nichts,Denn so unnachahmlich schön in den meistenDiction und Versbau ist, so poetisch sie gesun-gen sind, so unpoetisch sind sie empfunden! Dasnenne ich mir doch eine scharf- und tiefsinnige An-tithese! Sicherlich hat sich der Kunstgeist darin weitmehr, als ich mir in der Erfindung des BlümchensWunderhold gefallen. Deß hatte er aber auch Ursache.Denn man denke nur den herrlichen Sinn, der daraushervorgeht. Nicht meine, nicht irgend eines sublu-narischen Menschen wahre, natürliche, eigenthümliche,