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3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
205
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larität eines poetischen Werkes ist das Siegel seinerVollkommenheit. Wer diesen Satz so wohl in derTheorie, als Ausübung verläugnet, der mißleitet dasganze Geschäft der Poesie, und arbeitet ihrem wahrenEndzweck entgegen. Er zieht diese so allgemein mensch-liche Kunst aus dem ihr bestimmten Wirkungskreise,von dem Markte des Lebens hinweg, und verbannetsie in enge Zellen, ähnlich denen, worin der Meß-künstler mißt und rechnet, oder der Metaphysiker, weni-gen Schülern höchst schwer, oder gar nicht verständlich,etwas vorgrübelt. Diese Erklärung mag nun nochimmer, wie vorhin, den Juden ein Aergerniß und denGriechen eine Thorheit seyn, so kann ich doch nichtaufhören, die Poesie für eine Kunst zu halten, diezwar von Gelehrten, aber nicht für Gelehrte, alssolche, sondern für das Volk ausgeübt werden muß.In den Begriff des Volkes aber müssen nur diejeni-gen Merkmahle ausgenommen werden, worin unge-fähr alle, oder doch die ansehnlichsten Classen übereinkommen. Ich glaube mit Nichten, daß dieser Begriffschimärisch, oder für den Dichter unfruchtbar sey, wie-wohl ich ganz und gar die Folgerung nicht so weit ge-trieben haben will, daß nun jedes Gedicht Jedermannin gleichem Maße verständlich und behaglich seyn soll.Anstatt einer umständlichen philosophischen Entwicke-lung sey es mir erlaubt, meine Meinung nur in ei-nem ganz gemeinen Gleichnisse anschaulich zu machen.Der Schuhmacher, welcher mit einer großen Anzahlzum voraus verfertigter Schuhe zu Markte ziehet,weiß sehr wohl, daß seine Schuhe nicht auf alle Füße