einerlei ist? Im Grunde widerspricht blos das Auge,welches doch allenfalls schon Warheit, statt Wahrheit,duldet. Kommt mir nicht mit der Undeutlichkeit auf-gezogen! Das ist die albernste Ziererei, die ich kenne.Ein Deutscher versteht seine Sprache, oder sollte siedoch verstehen. Alle Sprachen haben das an sich, daßman oft nicht den Sinn aus einzelnen Wörtern, son-dern dem ganzen Zusammenhangs aufgreifen muß.Schreibt man ferner einem solchen Pfahlbürger Rat fürRath, so ist es lustig, seine Maulgrimassen zu sehen,wenn er behauptet, daß man das Wort, ohne h, nichtanders, als Ratt aussprechen könne. Dennoch schreibtder Geck selber, er trat, er bat, ohne h, und sprichtnicht, er tratt, er batt aus. Schreibe ich ihm wie-derum für matt, mat, so grimassict er von neuen,und spricht maat aus, wiewohl er hat, sinket, ganzrichtig auszusprechen weiß. — Liebe Brüder, wennihr eure Sprache lieb habt, so tretet dem Schlendrianauf den Kopf, und richtet euch nach den Regeln derVernunft und einfachen Schönheit, nach welcher sichschon größtentheils die Minnesinger richteten, ehe dienachfolgenden plumpern Jahrhunderte die Sprache mitso vielen unnöthigen Buchstaben überluden. Jeneschrieben fast gar kein Dehnungs-h; und das gibt derSprache ein noch ein Mal so einfaches, reines undschönes Ansehen.
Klopstock schlägt, nächst der Verbannung unge-hörter Buchstaben, zum Behufe richtiger Aussprache inAnsehung der Dehnung und Verkürzung, ein allgemeinesdie Augen am wenigsten beleidigendes Dehnungszeichen