Druckschrift 
3 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 2
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

3 .

Wie kam' es sonst, daß in der Weiblcin HerzenMein Genius zu Lieb' und Lob mich schrieb?

Denn suchten gleich mich Fratzen anzuschwärzen,

So blieb ich doch den Holden werth und lieb.

Mir loderten nicht wenig Liebeskerzen,

Weil ich so süß mein Liederwesen trieb.

Sie lodern noch, mein altes Herz zu laben.

Die möcht' ich doch nicht ausgeblasen haben.

4 .

Ich sag' es laut, und werd' es ewig sagen:

Der Wonne Mark ist holder Weiblein Gunst.

Nun aber naht mein Leben sich den TagenDes Blätterfalls, voll Reif und Nebeldunst.

Wie könnt' ich wohl auf Huld noch Anspruch wagen,Entstünde mir der Laute Schmcichclkunst?

Es müßte ja kein guter Geist mich lenken,

Verstimmt' ich die zum Necken und zum Kränken.

5 .

Drum Kitt' ich euch, ihr allerliebsten Wesen,

Ihr Gütigen, durch deren Rath und That

Ich manches Mal von Wund' und Schmerz genesen,

Wann Mißgeschick mir aus die Zehe trat,

Laßt diesen Sang der Schalkheit ungelesen!

Und thut ihr's doch, wie sehr ich's auch verbat,

So bitt' ich ihr, nur ihr, die mich besessen,

Das Acrgerniß des Liedes beizumessen.

6.

Dies Mährlein dient allein zu Nutz und FrommenDer Männer, die verhirschtcr Stirnen sind.