zu bewahren. Bist du mir auch eben so getreu geblieben,mein Abrokomas? Oder hat mich eine andere Schönheitaus deinem Herzen verdränget? Hat dich Niemandgezwungen, deiner Schwüre und meiner Liebe zu ver-gessen? — So sprach sie, und küßt' ihn bei jedemWorte. „Ach! ich schwöre dir's, antwortete nun Abro-komas, bei dieser seligen und für uns so spät erschie-nenen Stunde, daß mir weder ein Mädchen schönergeschienen, noch irgend ein Weib besser, denn du, ge-fallen hat. Du empfängst jetzt deinen Abrokomas sorein, so unschuldig wieder, als du ihn in den Kettenzu Tyrus verlassen." So betheuerten sie die ganzeNacht sich die bewahrte Treue, und glaubten einandersehr leicht, weil sie es so wünschten.
So bald der folgende Tag anbrach, luden sie ihreSachen auf ein Schiss, und segelten unter Begleitungaller Rhodier von dannen. Hippothous folgt' ihnennebst all dem Seinigen und seinem Klisthenes nach;und in wenigen Tagen langten sie zu Ephesus an. Dieganze Stadt hatte bereits Nachricht von ihrer Erhaltung.Nachdem sie ausgestiegen, begaben sie sich sogleich, wiesie waren, in den Tempel der Diane, beteten, opfertenund weihten der Göttinn Geschenke. Die Inschriftenthielt Alles, was sie gcthan und erlitten. Hieraufbegaben sie sich in die Stadt, und errichteten bald ihrenAeltern, die Alter und Gram getödtet hatten, prächtigeErabmähler. Ihr übriges Leben verfloß ihnen nunbeisammen wie ein einziger Festtag. Leukon undRhode, ihre Gespielen, hatten ihr ganzes Vermögenmit ihnen gemein. Hippothous beschloß, hinfort nun