162
und ich wüßte nicht, daß Wer über ermüdende Mono-tonie ihrer langen Gedichte geklagt hatte. Und warumnicht? Weil dies Metrum in der Natur ihrer Sprachelag. Im Deutschen verhält sich's eben so. Wie kanndem Deutschen Ohre Eintönigkeit zur Last fallen, da esseine ganze, — in Vergleichung mit der Griechischen, —monotonische oder oligotonische Sprache täglichreden hört, mithin völlig daran gewöhnt ist? Das sindnur die elastischen Schulfüchse, die so etwas klügeln.Dem Griechischen Ohre möchte freilich unser Jambuseintönig seyn, weil das der Polytonie gewohnt ist; aberdem einstigen ganz gewiß nicht. Ueberdies ist der DeutscheJambus jener ausgehunzte Klippklapp keinesweges.Prüfen Sie ihn nur einmal genauer, so werden Sieunendliche Abwechselung, in Ansehung der Cäsuren undRuhepuncte, des männlichen oder weiblichen Ausgangsder Perioden, des ganzen Auf- und Niederschwungesderselben, der bald jambisch auf- und bald trochäischniedersteigenden Füße, und endlich des Zeitmaßes derSylben selbst finden. Freilich wechselt nur immer Kurzund Lang, und Lang und Kurz ab; aber selbst in derkürzeren Kürze und längeren Länge Einer Sylbevor der andern ist so viel Verschiedenheit, daß sie kaumsich ausrechnen läßt. Aengstlich standiren darf manfreilich nicht, und das darf man nirgends; sondern manmuß declamiren, wie sich's gehört.
B. Wahrhaftig! Bürger hat Ursache, Ihnen zudanken, daß Sie ihn so verfechten. Aber zweifelhaftlassen Sie mich doch immer.
A. An ihren Zweifeln, Freund, ist die Hartnäckig-