76
In Nebel dicht verhüllt, versetzte sie
Den Liebling in sein würziges Gemach, 485
Flog nach Helenen dann, die auf dem Thurn,
Umringt von vielen Troerinnen, stand.
Gleich einer alten Wollespinnerinn,
Die ihr im angenehmen Sparta einst
Die schönste Wolle spann, und allermeist 490
Bei ihr in Gunsten stand, kam Cppria,
Und zupfte sie am lieblich duftendenGewand', und raunt' also ihr in das Ohr:
Hier komm! Der schöne Paris ruft dich heim,
Wo er jetztund, so glänzend an Gestalt, 495
Als Kleidung, dein auf weichem Polster harrt.
Du glaubest nicht, er komm' aus dem Gefecht,Vielmehr, ec woll' entweder tanzen gehn,
O'r sitze da, vom Reigen auszuruhn.
So sprach sie, und erregt' in ihr das Herz. 500Doch, als sie drauf des schönen Nackens Glanz,
Des Busens Reiz, der Augen Funkeln sah,
Schrak sie zusammen, und Hub an zu ihr:
Ach! Leidige! Schon wieder triegst du mich?
Soll ich vielleicht noch tiefer hin in's Land 505
Der Phrygier, o'r irgend eine StadtDes wonnigen Maoniens nun zichn,
So etwa dort von dir ein Liebling wohnt?
Nachdem von Menelaus Paris nun
Besieget ist, und ich Verhaßte fort 510
Von hier, mit ihm nach Sparta soll,
So bist du gleich mit neuen Listen da?
Bleib du doch hier! Entsag' der Götterschaft!