54
Winterlieb.
Der Winter hat mit kalter HandDie Pappel abgelaubt,
Und hat das grüne MaigcwandDer armen Flur geraubt;
Hat Blümchen, blau und roth und weiß,Begraben unter Schnee und Eis.
Doch, liebe Blümchen, hoffet nichtVon mir ein Stcrbelied.
Ich weiß ein holdes Angesicht,
Wo Schönheit euch erzieht.
Blau ist des Augensternes Rund,
Die Stirne weiß und roth der Mund.
Was kümmert Amsel mich im Thal,
Was Nachtigall im Hain?
Denn Molly trillert hundertmalSo hell und silberrein.
Ihr Athen: ist wie Frühlingsluft,
Erfüllt mit Hyacinthcnduft.
Wann mich ihr Purpurmund begabt,
Ach, welch ein Wohlgenuß!
Die Erdbeer' und die Kirsche labtNicht süßer, als ihr Kuß. —
O Mai, was frag' ich viel nach dir!
Der Frühling lebt und webt in ihr.