Als wir das Buch Heinrichs von Bensheim lasen, wollte unsmehr als einmal der Zweifel überwältigen; wir konnten nicht glauben,daß man uns das als ein Echo des göttlichen Wortes geben würde,was völlig dem Schiffe der Argonauten glich, welches so oft ausge-bessert wurde, daß keine Spur mehr von seinem alten Gerippe zu sehenwar. Dann gingen wir in einem Anfalle des Zweifels hin und schlu-gen die Stelle nach, welche von dein Mönche von Hagenau angeführtworden war, und wir fanden sic auf dem von ihm bezeichnetcn Blatte.Wir fragten uns, ob dwscs neue Licht, welches die Reformation unsanzündete, wohl ein Licht des Lebens und der Wahrheit sein könnte:ob cs alle Jene erleuchte, die in seinem Glanze wandeln, wie jenes,von dem der heilige Apostel Johannes spricht.
Wir nahmen das Buch Bensheims noch einmal zur Hand undlasen die prophetischen Worte:
„Und ein Tag wird kommen, an welchem die Reformatoren selbstbekennen müßen, daß die persönliche Ansicht nicht hinreiche, das WortGottes auszulegen."
Dieser Tag ist gekommen; denn die Reformation hat dieses Be-kenntnis; bereits abgelegt.
Schelling sagt, es sei eine Last, die man seiner Vernunft auflege,wenn man sage, er solle zum Verständniß der Schrift die Sprachenvergangener Zeiten lernen, während man doch eine lebende Autoritätdurch einen todten Buchstaben ersetzt habe.
Plank ist der Ansicht: mit dem Grunosatze Luther's, daß die Schriftdie einzige Richtschnur in Glaubenssachcn sei, könne die protestantischeSchule die Lehren des sächsischen Meisters unmöglich aufrecht erhalten.Er sagt, wie man denn die sächsische Symbolik beibehalten könnte, so-bald man sie nicht in llebereinstimmung mit dem Worte Gottes finde;da der Mönch die katholische Dogmatik abgeschafft habe, weil sie nichtauf die Schrift gegründet sei?
„Stellt aus der Schrift mir dar die Falschheit meiner
Behauptung,
Und ich nehme zurück, was nicht die Prüfung besteht!"
Also sprachst du und siegtest dadurch, hochherziger Luther!
Dir nur folgen wir nach, boffend den nämlichen Sieg.
1) Prof. Df. von Sebelüng: Vorlesungen über das akadenüscke Studinin.
2) Plank: lieber den gegenwärtigen Zustand und die Bedürfnisse unserer protcsian-tis-bcn Kirrbe. I8l?/S. 24.
3) D Paste, Distiebcn in der a. N. Z., 1830, diso. 171.