Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
233
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er dieses Leben verließ, kam unter seine Papiere das Testament, wel-ches des Pfarrers von Meudon würdig ist:

Gott hat mich ohne meine Sorg leben lassen, bis aus dieseStund, dazu mir seinen lieben Sobn Jesum Christum zum gewissentheuern Pfand des ewigen Lebens geschenkct; darum fahre hin, meineliebe Seele, dn baft einen treuen Heiland, der dich zu seinen Händenausgenommen hat.

Unter allen Gelehrten, welche Slraßburg damals besaß, war aberBucer der berühmteste. Erzogen, genährt und unterrichtet in demDominicanerkloster zu Schlctstadt, wurde er abtrünnig, verhciratbctcsich mit einer Nonne Namens Lebenseltz, welche ihm nichts zur Mor-gengabc gebracht hatte, als eine zweifelhafte Jungfrauschast. Er wareine jener gewandten, schlauen Naturen, welche nichts unbcrechnet thun,welche den Glauben wie ein Kleid ändern, je nach der Jahreszeit; welchesich bei jeder ihrer Umgestaltungen zur Rechtfertigung auf Gott berufen undimmer eine gute Klinge in ihrem Dienste haben, welche die Lehren verthci-digen, die sie in die Welt schicken. Scin Protcctor war Franz vonSickin-gen, welcher die Mönche beinahe wie die Teufel haßte. Luther kannte Bu-cer genau. Als sich Luther eines Tages mit Schießen belustigte, schoßer beim ersten Anschlag der Armbrust einer Fledermaus durch dasHerz: der Nachtvogel sträubte sich und fiel todt zur Erde nieder.Du wirst sehen, sprach Luther zu Vitus, da steckt, ein Geheimnis; da-hinter: ick habe eine Fledermaus ins Her; getroffen." Am andernMorgen stand er am Fenster und sah über die Felder hin, als er oonFerne den Bucer kommen sah.Vitus," sprach er aufspringendvor Freude,komm doch, und sich unsre Fledermaus, hatte ich michnun geirrt?"

Es war wirklich Bucer, der nach Eoburg kam, um sich mit Lu-ther über dogmatische Angelegenheiten zu besprechen. Der Mönch kam,eingenommen für die Lehre Zwingli's, und ging hinweg von Luther be-kehrt, den er wieder beim ersten Anfathmen einer neuen Lehre verläug-ncn mußte, um diese wieder zu verlassen oder sic zu bekennen, je nach-dem ihn der heilige Geist erleuchten würde. Es war nämlich damalsMode, alle Umgestaltungen unserer Natur dem Geiste der Wahrheitanzurechnen. Es hatte nie Jemand Unrecht, als Gott; und von allenRefvrmirten machte dem heiligen Geiste keiner so viele Prozesse, als

1) Von Freher angeführt.

?) Pfizer, Lnther's Leben. LlclntielNdemis LpCl. >. I , ez>. tvl. 2-t.