Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
223
Einzelbild herunterladen
 

223

Ja," antwortete Calvin,und wir halten sie unsererseits fürdie wahren Wölfe und für die wahrhaft falschen Propheten."

Also würdet ihr ebenso von uns reden, die wir Megander ver-jagt haben 2) und ihn nun wieder in die Kirche Bern's aufnehmen?"

O, das ist etwas Anderes," erwiederte Calvin,wir sagen,warum wir unsre Stellvertreter als wie Wölfe behandeln."

Sebastian, welchen diese schlaue Unterscheidung nicht überzeugthatte, änderte bald seine Sprache und verließ die Sache Calvins.Das war ein ausgemachter Streiter, dieser Mayer, er hat einwankelmüthiges Wesen und gibt immer demjenigen Recht, der zu-letzt sprach."

Außerdem hatte Erasmus Ritter eine besondere Vorliebe für Cal-vin; er wurde aber von seinen Amtsgenossen mitfortgeriffen.

Der Großrath versammelte sich einige Zeit später, sandte an Cal-vin und ließ ihm dreimal vorstellen, daß er sich unterwerfen solle.Die Genfer Prediger gaben nach,weil sie fürchteten," sagten sie,dierechtschaffenen Leute möchten an ihrer Hartnäckigkeit Anstoß nehmen."

Der Rath beschloß, daß zwei Botschafter die Verbannten beglei-ten und wegen der Rückkehr unterhandeln sollten; wenn dieß mit Er-folg geschehen würde, wollten sie die Prediger wieder aufnehmen undfür die Einsetzung in ihr Amt Sorge tragen.

Die Verbannten verlangten aber eine neue Botschaft; denneswird den Anschein haben," sagten sie,als kämen wir, um unsre Wie-dereinsetzung zu erflehen, wie Schuldige; und warum hat man den Ab-geordneten nicht auch einen Diener des heiligen Evangeliums beige-geben?

Der Rath fand ihr Gesuch gerecht. Die Abgeordneten und dieVerbannten sollten in die Stadt zurückkehren. Erasmus Ritter undViret schloßen sich der Deputation an.

Die Nachricht von der Rückkehr Calvins hatte Genf in Bewegunggesetzt: das Volk gab seinen Zorn laut zu erkennen: die Botschaft warnur noch eine Meile von der Stadt entfernt, als ein Bote kam und

3) ^n verum putsremus guock nsrrabatur a guibusdam, tantam esse Mcertis fratribus severitatem, ut eos lusios vocsrent et iiseudopropke-tas, «M in loeum nvstrum irrensissent: respondimus nostrum non essealiud de ipsis sudicium. Lalv. LuIIinx.

2) Mcgander und Leo Juda arbeiteten an der Ucbersetzung der heiligen Schrift indie deutsche Sprache. Dieselbe erschien in Zürch in den Jahren 1529 bis 1531.dokn 8cotts tlalvin aud ttie 8rviss reformatio», p. 1 l 6.

3) 8ed «Md alius zotest, quam suis delirsmentis invertere Lvanxelii puri-tatem? Lai. Lueero, 12. jan.