207
chische Metope oder in die Falten des Gewandes einer zur Hälfte auf-gefundnen römischen Statue zu bauen.
Sadolct widerstand lange Zeit, und jeder Andre würde es ebenso gemacht haben wie er, wenn er in diesem wiedererstehenden Romgelebt hätte, in Gesellschaft all der Götter der Mythologie des Alter-thums, mit Künstler», welche mit jedem Tage ein Bild, das vergessen war,wieder ans Licht brachten. Er gab jedoch nach und gehorchte als Christund als Poet.
Zur Zierde des Bisthums von Carpentras nahm er Manuskripte aufägyptischem Papirus, atheniensische Statuen, corinthische Kunstwerke inErz, venetianer Ausgaben des Cicero und Demosthenes, des heiligenThomas, Virgilius, Horatius und Gemälde von Girlandajo, Peru-gino und Cimabue mit sich. Das Schiff, welches alle diese Wunder-werke enthielt, segelte von Ostia ab und wurde wie einst das Schiff,welches den Dichter Virgilius an Bord hatte, von den Glückwünschenaller poetischen Gemüther Roms begleitet. Aber welch ein Unglück!Kaum geht das Fahrzeug in die Gewässer des mittelländischen Meers:so bricht die Pest unter der Mannschaft aus, die Matrosen sterben beinahealle; der Kapitän und sein Gehilfe sind allein noch am Leben undsteuren nach der Küste von Frankreich, von wo man sie unerbittlich zu-rückwcist. Nun sicht man euch nicht mehr, ihr Handschriften, die vonSadolet mit so großer Liebe gesammelt wurden! Nun sieht man dichnicht mehr, göttlicher Plato, den ihm Julius II. zum Geschenke machte.Nun sieht man euch nicht mehr ihr Schätze der Archäologie und Numis-matik! Ihr kommt nicht mehr zum Vorscheine, ihr von Gold und Zinno-ber prangenden Missalc, Werke der unerschöpflichen Gedulv der Mönche!Die schönen Zeichnungen, welche Raphael eigens für seinen Freund ent-warf, sind verloren! — Ihr erwartet ohne Zweifel eine Ode, in wel-cher Sadolet sein grausames Loos beweint? Es ging mir wie euch:wir täuschen uns. Der Dichter ließ seine Flügel in Rom; in Car-pentras finden wir nur noch den Priester, der sich den Fügungen desHimmels unterwirft, „beruhigt über den Verlust all der herrlichen grie-chischen Manuskripte, deren Sammlung ihn so viele Mühe, deren Er-haltung ihn so große Sorgfalt kostete." Was uns betrifft, wir hät-ten dem Besitzer den poetischen Schmerz gerne verziehen.
1) Kei relicpii illi tot labores, goos impeller-iinus grrecis praesertun co-«tieibus cunguirenäis unitigue et eolliZenckis mei tanti somptus, menecurse, omnes itvrum jam ack nikilum reeickerunt, Lp. 8ackoleti. —