Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

so sehr beneidete Stelle trug: Zum Ersatz sah der Bedienstete denPapst Leo X. in all seiner Pracht und stand an der Seite des Pap-stes, wenn der Fürst in seinem Saale des Vatikans eine jener Ver-sammlungen hielt, in denen Ariost die epische Poesie, Accolti die Bered-samkeit, Raphael die Malerei, Michael Angelo die Plastik, Cajetandie Hermeneutik und Nucelai die Tragödie representirte. So gab esdenn wohl in Rom keine begeistertere Seele, als jene Sadolets: und ihrmöget selbst über seine Freuden urtheilen! Mit seinen DreihundertThalern reichte er aus, sich zu ernähren, sich zu unterhalten, einemJuden eine griechische Handschrift abzukaufen, deren Werth der Jsraeliteauf eine staunenswerthe Weise witterte, für beinahe Nichts erwarb undum schweres Gold verkaufte; oder er wußte damit auch gar noch eineStatue zu erwerben, die bei den Ausgrabungen auf dem Eampo Vac-cino gefunden wurde. Sobald das Jahr zu Ende war, sah man dasMuseum und die Bibliothek des jungen Gelehrten von zahlreichen Mei-sterwerken bereichert, vor welchen er von steter Bewunderung ergriffenblieb. Leo, welcher den Geschmack seines Secretärs kannte, machte ihmbisweilen ein Geschenk. So gab er ihm an den hohen Festtagen derOstern oder Weihnachten eine Kamee, eine Gemme oder ein Kunstwerkaus Erz gegossen. Ein solcher Tag war dann ein Fest, welches Jako-bus in schönen Versen besang. Jede dieser Reliquien kostete den Dich-ter eine lateinische Ode, welche er sodann dem kardinale Bembo, oderdem Papste selbst vortrug.

Eines Tages setzen die Arbeiter Sadolet in Kenntniß, daß eineMarmorgruppe von bewunderungswürdiger griechischer Arbeit aufgefun-den worden sei. Sadolet begibt sich in die Gärten des Titus, underkennt, denket euch sein Erstaunen! die Gruppe des Laokoon, dieselbe,welche Plinius beschrieb. Am Abende verkündeten alle Glocken derKirchen den glücklichen Fund. Bembo hatte das Progamm zur Festfeicrdes folgenden Tages verfaßt. An diesem Tage sollte die Marmor-gruppe, mit Blumen und Laub geschmückt, unter dem Schalle derMusik durch die Stadt geführt und im Triumphzuge nach dem Vati-kan gebracht werden. Die ganze Nacht hindurch gönnten sich die Dich-ter keine Ruhe: sie bereiteten Sonnette, Hymnen und Eanzonen vor,um das Ereigniß zu feiern, daß der Laokoon wieder an das Tageslichtgebracht worden sei; zum allgemeinen Zeichen der Freude wurden dieStraßen der Stadt mit Teppichen behängt. Sadolet war voll Begei-sterung, in Zeit von einigen Stunden vollendete er eine lateinische Ode,um welche ihn Bibiena ersucht hatte.