gekommen, in welchem der erleuchtete Verstand über dieses schamloseManifest, das gegen unfern nationalen Gottesdienst erlassen wordenwar, Gericht halten sollte.
Gleichwohl fuhren bedeutende Männer, welche die Vortheile derprotestantischen Schule nicht annahmen, fort, der Reformation die Ehreder geistigen Bewegung, welche sich beim Erscheinen Luther's in Sachsenoffenbarte, zuzuerkennen. Sie wollten nicht einschen, daß diese Bewe-gung von Italien, und insbesondre von Rom und Leo X. ausging,über die Alpen stieg, um sich am Fuße der Gebirge in zwei Strömezu theilen, von denen sich der eine über Deutschland, der andere überFrankreich ergoß. Auch ohne Luther hätte die Reformation des Staa-tes, der Religion, der Wissenschaft stattgefunden: sie hatte in Deutsch-land schon begonnen, als er gegen den Ablaß predigte; wie auch inFrankreich, als Calvin seine Stimme hören ließ. Wir glauben,wenn man die Augen vor der Wahrheit nicht absichtlich schließt, wirdman nicht läugnen können, daß Leo X. das Werkzeug war, dessen sichGott bediente, um die Wissenschaften wieder in's Leben zurückzurufen.Aus Italien kam der Funke, der die Welt erleuchten sollte. Luther,Melanchton, Erasmus, Reuchlin sind vor dieses Licht getreten, habenihm seine Richtung gegeben und dasselbe zuweilen gefördert, aber siehaben es nicht geschaffen.
Calvin sagte das Nämliche von sich, was Luther von sich gesagtharte: — Er sei von Gott gesandt, die Menschheit aus den Windelndes Papstthums zu befreien, um die Vernunft leuchten zu lassenund die Menschheit zu bessern. Das Erste, was das Auge desFremden heut zu Tage sieht, wenn er nach Genf kommt, ist der herr-liche Spruch: „kost tenollru» lux," den die Klauen eines Adlershalten: eine heidnische Apotheose, ein steinernes Denkmal toller Eitel-keit, über die der katholische Wandrer lachen muß.
Man sagt, Cagliostro habe die Gabe gehabt, Todte vorzurufen:Der Geschichtschreiber soll sie auch haben. Wir rufen einige der Schal-ten vor, welche das Jahrhundert des Königs Franz I. erleuchteten;und man wird sehen, auf welcher Stufe der menschliche Geist stand,als Calvin auftrat. Es ist ein Mann, der im Grabe ruht, welcherall diese berühmten Männer vor den Richterstuhl des Lesers rufenwird, wie er es schon in der Leichenrede gethan hatte, die er demKönige Franz I. hielt: Galland, einer der Professoren des königlichenCollegiums, „welcher den Mund nicht öffnete, ohne daß er Honig aufdie Lippen seiner Zubörer fließen ließ."