Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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Sein Vater bestimmte ihn für das Studium der Theologie, er-sah die Geheimnisse der Zukunft voraus; denn er war ein Mann, derUeberlcgung und Urtheilskraft besaß. Das klare und hervorragendeAuge des Kindes, seine breite Stirne, seine sanftgcbogene Nase, wiesie die Alten an ihren Statuen liebten, seine von Spott und Hohn zu-sammengezogenen Lippen, seine graue, gallsiichtige Gesichtsfarbe, warenVorzeichen von List, Schlauheit und Scharfsinn. Wenn ihr auf derBibliothek in Genf das Bildniß Luther's neben dem Bilvnisse Calvin'sbetrachtet, werdet ihr bald finden, mit welchen psychologischen Eigen-schaften die beiden Reformatoren begabt waren. Das Aussehen desEinen ist blühend, das Blut fließt rasch und wallend, sein Adlerblickund seine frische Gesichtsfarbe verkünden die volksthümliche Beredsamkeit,die derbe Gewalt, den lyrischen Enthusiasmus. Er ist der Mann derRednerbühne, der Straßen und Schenken. Der Andere zeigt in seinemAnachoretenangesicht, daß er von Nachtwachen oder Krankheiten erschöpftist; seine bleiche Haut, seine beweglichen Augen, seine leicben-artige Gesichtsfarbe, seine hervorragenden Knochen, verrathcn die Ana-lyse, die Dialektik, den Syllogismus, die Beweisführung: es ist derMann der Schule, des Tempels, des Eabinets, der theologische Diplo-mat, der Fuchs, der sich die Priestcrmützc aufgesetzt hat, um sich zuVerkappen.

Gerhard Calvin war dürftig. Seine Stelle als Fiscal - Procu-rator trug ihm kaum 600 Livres, wovon er eine Frau und sechs Kin-der zu ernähren hatte; aber das edle Haus der Mommor kam ihm inZeiten der Bedrängnisse zu Hilfe, wenn der Winter sehr strenge, das Brodsehr theucr, und Noyon von einer Hungersnoth bedrückt war. Dannflüchtete sich die ganze Familie Calvin, der Vater, die Mutter und dieKinder unter den Schutz dieser zweiten Vorsehung, welche ihnen Brodund Kleidung reichte. Man muß den Wunsch hegen, Johannes mochtesich mit mehr Zärtlichkeit an den guten Hirten von Noyon erinnern,wenn er sich einmal in den humanistischen Wissenschaften versucht.Calvin widmete zwar beim Austritt aus seinen Knabenjahren denCommentar zum Seneka, welchen er verfaßte,dem heiligsten undhochweisen Hangest, Abte von St. Eligius," einem Gliede der FamilieMommor; das war aber Alles, und doch hatte er in diesem Hause nichtnur das leibliche Brod, sondern auch das Brod des Lebens empfangen,

1) ll'IiouIogj:io m« piitor tonoüum ntlliuo pnoeum cleMinuvtn-it.

2) d>nt js <ier,iltl»ü »on jixlieii ot eoiulllii Kann», ttor.-i.

3) Ooluro üudp.illiltu ot niKrie.int«?, noull» nil imirtoi» uügno limpüiis,gnigno ingviiii sügacitntom tostaronUir. Ite/m, IICt. OMv.

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