hinzu, daß sie allein das Verständniß und die Erkenntniß der heiligenSchrift empfangen hätten. Zum Glück für den Katholicismus hatte dieLehre Luther's eine Menge von Secten hervorgebracht, wie die Sacra-mentirer, Oekolampadianer, Majoristcn und Antinomisten, welche imNamen des heiligen Geistes zu ihren Gunsten gegen die Anmaßungender Unfehlbarkeit proteftirten, die sich das Wiedertäuferthum anmaßte.So geschah es denn, daß, wie zur Zeit des Heiventhums, Alles Gottwurde, Gott allein ausgenommen, und daß jede Lehre unfehlbar war,ausgenommen die Lehre der Wahrheit.
In Genf kannte man kaum eine Zeile der lutherischen Symbolik, alsFroment und Farel dahin kamen, um ihre Neuerungen zu predigen. Einungerechter Haß gegen das Haus Savoyen zog eine Menge Vaterlands-sreunde, welche sich thörichter Weise einbildeten, der Katholicismus würdeihnen am Tage der Gefahr Hilfe und Beistand leisten, in den Aufruhrhinein. Hatte sich doch gerade der Katholicismus, in der Person seinerBischöfe, mit ihnen auf eine so edle Weise verbunden, als sich die Gemeindegegen die Anmaßungen der Kaiser erhob! Verdankte denn die Stadtihre Freiheiten nicht einer der Zierden des Genfer Episcopats, demBischöfe Ademar Fabri? Wir werden in diesem Werke euch einige dieserheiligen Prälaten vorführen, und ihr werdet sehen, welchen Einfluß siehatten; ob es ihnen an Muth, Aufopferung, Liebe und Wissenschaftfehlte! Genf konnte ihrer vergessen; unsere Pflicht war es aber, ihrAndenken wieder zu erneuen. Der Katholicismus traf auf seinen Wegennie einen Ruhm, und wenn er auch nur ein menschlicher war, ohnedaß er ihn in seine Krone zu fassen suchte. Die Brücke über die Arve,auf welcher Froment ein Volk zur Empörung gegen seinen geistlichenOberhirten aufries, hatte ein Bischof von seinem Gelde erbaut. Weranders hat denn im Mittelalter die Künste befördert, die Pflege derWissenschaften neu belebt, die Industrie wieder emporgebracht, denGeist der Geselligkeit befruchtet, als der Katholicismus? Es war ihmebenso wenig möglich, ein Volk in der Finsterniß zu lassen, als in derSklaverei. Betrachtet ihn zur Zeit seiner höchsten Entwicklung! Unter-stützt er nicht die italienischen Städte und Republiken in ihrem Kampfemit dem deutschen Reiche? Nimmt er sich nicht im dreizehnten Jahr-