Dreizehntes Stapitel.] Der ^i’f^ttif in -Hliffef- ttti5 Äfib-Denffdjfnnb. 207
S^arafter. (Sin großer S^eil ber ©nwoßner war nicht ortSangeßörig,fonbern lebte bort, weil granffurt ein hebeutenber 3Jie§= unb (Börfenplaßip unb »iel (Gelegenheit ju mißlichen ©elbanlagen bot.
Daß man alle biefe (Bortheile ju behalten wünfßte, war natürlich,bennoch aber hot ber Senat feine feinbfelige Stimmung gegen (freutenbethätigt. dRan hot ihm in (Berlin jum (Borwurf gemaßt, baß er bie(Preffe, bie ftß oft fdjarf gegen (Preußen äußerte, nicht preng zügelte,allein bann hotte ber Senat auch bie preußifßen (Preßorgane unb bieHeiter berfelben, bie in granlfurt eine große 3ßätigfeit entfalteten, nihtfchonen bürfen. Die (Preßfreiheit war Sillen gcftattet unb baher für feine(Regierung ©runb jur (Bcfdtwerbe üorßanben.
Sin friegerifchen dRaßregeln gegen (Preußen hat ber Senat pß nichtbetheiligt, baS päbtifße (Bataitton nicht mobil gemacht unb ßß ber Sin»legung oon (Befepigungen um bie Stabt wiberfept. dßaS in biefer Hin»ficht begonnen würbe, gefdjah auf (Befehl unb Äopen ber (BunbeSüerfamm»lung. ©ne ftrenge (Behanblung oon granffurt läßt ftch baßer auf feine(Steife rechtfertigen, unb baß fte bennoch eintrat, hat bie öffentliche dRei»tiung in ganz (Suropa gegen (Preußen aufgeregt.
(Rachbem bie (BunbeSoerfammlung am 14. 3uli granffurt oerlaffen,(Prinz Sllejanber oon Reffen bie SSertßeibigung ber Stabt aufgegebenunb ftch nach kent Dbenwalbe gewenbet hotte, richtete ber Senat am ,15. 3uli eine Slnfpraße an bie (Biirgerfßaft unb erflärte, baß er jwarbem (Bunbe, als einem unauflöslichen (Bereine, treu bleiben werbe, febocßeine Umgepaltung ber (BunbeSoerfaffung, bie Schaffung einer ftarfenSentralgewalt unb bie (Sinfeßung einer wirffamen (Bertretung beS ganzenbeutfdßen (BunbeS für bringenb geboten halte unb ftch allen barauf ge»richteten (Begebungen anfßließen werbe.
dRit biefer (Srflärung fanb aber ber Senat feine ©nabe, oielmeßrwürbe bie ganze Schale beS preußifßen 3omS über bie unglüdliße StabtauSgegoffen, nachbem biefelbe am Slbenb beS 16. 3uli üon bem ©eneralo. gatcfenpein, ber mit ber Dioipon ©oeßen einjog, befeßt worben war.dRan hat bcn ©eneral nißt ßreng beurtheilt, ba er hoch nur als SBerf»Zeug ßanbelte, auch fam eS ipm zu Statten, baß fein dtaßfolger maß»lofere gorberungen unb unter rauheren gönnen anmelbete.
(Die erpe dRaßregel bepanb in ber Slupöfung beS granffurter 33a»taiUonS; ferner würbe eine feßr fopfpielige (Berpßegung ber Gruppen, bieSaßlung einer ftriegSpeuer oon feßS dRillionen ©ulben, bie SieferungZahlreicher ©egenpänbe im SBertß oon mehreren dRiüionen, bie SlupöfungbeS Senats, bie (Berhaftung ber Senatoren o. (BernuS unb Spelß an»georbnet.
(Der ©eneral (Bogel o. galcfenßetn uerfünbigte, baß er im RamenbeS ÄönigS bie (Regierung oon granffurt, dtaffau unb ben üon preußi»fcßcn Struppen befeßtcn baprifßen unb größtmöglich hefßfßen ©eßietS»heilen antrete, übertrug ben Senatoren Redner ((Bürgermeiper) unb dRüller
(SpnbicuS) bie (BerwaltungSgefßäfte ber Stabt, hezeißnete baS „granf»furter 3ournal", fßon früher prenßifßeS Drgan, als amtliches (Blatt ber(Regierung, unterbräche bagegen fap bie gefammte übrige periobifche (PreffegranffurtS. Obgleich pp) bie (Rebacteure, welche ftch böfer Siebe oerfaßen,gepücßtet hatten, würben bennoch Qm? wentgßenS öffentliche (Blätter an»gaben) oon ben jurücfgebliebenen 24 zur Haft gebracht. Bart muß manmit ben Herren nicht umgegangen fein, bcnn ber (Sßefrebacteur ber,,(Pop»3eitung“, Dr. gifher=@oullet, würbe üon einem Sßlaganfaüetöbtlicß betroffen. Sfragifßer war baS Sßicffal. beS (BürgermeiperSgeHner, ber p<h erßängte, als ißm jugemutßet würbe, eine Sipe berreicßpen (Sinwoßner granffurtS anpfertigen, oon benen eine fernerehöhere ÄriegSpeuer beigetrieben werben foKte.
Db ©eneral (Bogel o. galcfenpein (Borpellungen gegen biefeS SßrecfenS»fppem gemacht ßat, bie übel aufgenommen würben? man weiß eS nipp,genug, ber ruhmreiche gelbßerr würbe mitten in feinem Siegesläufe ab»gerufen unb jutn dRilitär=@ouoerneur oon (Bößmen ernannt, womit feinefriegerifpe Sßätigfeit ißr (Snbe erreichte. (Rahträglih ßieß eS: er fei be»pimmt gewefen, bei längerer Dauer beS Krieges oon (Böhmen auS einSlrmeecorpS gegen dRünßen ju führen, boh ip 3uoerläfpgeS barüberniht befannt geworben.
Dbgleip) ber ©eneral baS (Sommanbo über bie dRainarmee ungernabgab, auch niht fofort nah (Prag ging, fonbern ph einige 3eü indRünper aufßielt, wo er als commanbirenber ©eneral beS VII. Slrmec»corpS oor bem Äriege fein Hauptquartier geßabt ßatte, fo ließ boh *>itSlnfprahe: „Sin bie Solbaten ber dRain»Slrmee", bie er am 19. 3uli jugranffurt oeröpentlihte, üon einer ©mpßnblißfeit nihtS merfen. (Sr be»lobte bie ©roßtßaten ber Struppen, namentlich bie ber Dioipon ©oebenunb ißreS fjüßrerö. Der ©eneral fpracß niht einmal SBorte beS Slb»fhiebS, fonbern nur ber Slnerfennung unb beS DanfeS auS.
Den S8efeßl über bie dRainarmee erhielt ©eneral greißerr ü. dRan»teupel unb er trat biefe Söürbe mit ber SluSfhreibung einer poeitenÄriegSpeuer im (Betrage oon 25 dRidionen ©ulben in Silber an. Dieferejorbitanten Jorberung feßten bie ffnmffurter einen pafpoen SBiberpanbentgegen, obgleip) pt, nah i>cr bort nop) heute fePgeßalteuen (Behauptung,mit Slbfperrung, SluSßungerung unb (Befhießung bebroßt würben. SBenn^reißerr o. dRanteupel überhaupt fo rauße SZßorte geäußert haben follte,fo waren pe boh niht ernplip) gemeint, unb eS erfolgte nur, waSfdpimm genug war, GjecutionSeinquartierung, bie bei manchen (Perfonen50 dRann betrug.
Senator dRüller würbe in baS föniglihe Hauptquartier nah (RifolS»bürg gefhiPt, um eine gnäbigere (Beßanblung ber Stabt ju erbitten.Die günfunbjwanjigmillionenpeuer fhwebte aber wie ein DamofleS»fhwert über ber Stabt fo lange, bis granffurt annectirt würbe. Shonlange oorßer ßatte bie anfängliche Strenge nahgelaffen, allein bie bamalS
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fammlung bie Söcfcpigung (Raßabt’S als oiertcr SBunbeefeßung befcßlopen unb fofortin Ausführung gebracht; 1848 waren bieSBerfe unter beröeitung öperrcihPherSn»genieure bereits naßeju ooKenbet. SDtefelben pnb ber wichtigen (ßoßtion biefeS(ßunltcS gemäß ßart unb umfänglich; einer näßeren ©cßüberung ber gepungs»anlagen tonnen wir uns jeboeß nah ber oben gegebenen (Befcßreibung ber geßungSDtainj woßl entßalten. — größer nur ein SlmtSßecfen, bcn 1689 biegranjofen buthgeuer jerpörten, erpanb ber Drt (Rapabt in feiner ßeutigen ©eftalt unter bem ÜRar!»grafen Subwig unb feiner ©emaßlin ©ibßüe Slugupe. (Bis 17 71 blieb bie Stabtbie SRepbenj ber babifhen SRarfgrafen. Hiporifhe (Berüßmtßeit gewann bie Stabtbureß meßrere bort abgeßaltene Gongrepe. 1713 begannen bafelbp bie SScrßanb»lungen jwifhen Dcperreicß unb grantreiß, weiße ben fpanifßen Grbfolgctrieg burßben (Rapabter grieben oom 6. Sdiärj 1714 enbigten, unb am 9. December 1797würbe bafelbp ber fogenannte gricbcnScongrcß eröffnet, ber mit ber Grmorbung berfranjöfpßcn ©efanbten (Roberjot unb (Bonnicr (28. OJoril 1799) fßloß. (Bon(Rapabt naßm auß ber babifße Slufpanb oon 1849 feinen StuSgang, inbetn bortam 11. SDtai unter bem SRilitär SReutereien ausbraßen, bie bet ftriegeminiper ®e»neral Hopmann oergebliß ju befßwißtigen fußte unb burß weiße bie Openburger(Berfammlung oom 13. 2Äai jur openen (Reoolution ermutßigt würbe. (Rapabtwar fßlicßliß auß ber leßte (ßunft, ber noß in ben Hänben ber gnfurgenten unterJiebcmann blieb, bis am 6. 3uli unter ©eneral o. b. ©röbeit bie (Befßießung bergepung begann unb naß längeren (Berßanblungen am 23.3uli bie 4 500 ÜRann parfcaufpänbifße (Befaßung bie SBapen preefte. — Sollte eS in früßerer ober fpätcrer3eit ju einem neuen Äriegc äwifßen grantreiß unb Deutfßlanb tommen, fo würbebiefe ©renpeßung ßößP waßrfßeinliß ©elegenßeit pnben, ißrer ©efßißte ein neueswißtigeS 33latt einjureißen.
5ßf of} ^oßenjolTcrn i«t ^ürRentfium ^oßenäoffent-^eßingen. — Dasßoßbctßürmte »ergfßloß Bollern bei ber Stabt Heßingen, ber uralte Stammßßber Slßnen beS preußifßcn (RegentenßaufeS, würbe am 26. 3uni laut (BepimmungbeS grantfurter (BunbeStageS nebp ben baju geßörigen prcußifßen SanbeStßeilen
©ittcrsGbrojüf. 180
oon ben dßürttcmbcrgcrn befeßt unb blieb bis jur HctpcUung beS griebenS occupirt.Die romantifß gelegene (Burg liegt woßl an 1000 gitjj über ber Gbene, in weißerbie ßübfßc Stabt Heßingen ftß ausbreitet. DaS Sßloß Hoßenjollertt in feiner ßeu»tigen ©eßalt ift eines ber fßönpen (Baubentmale ber ©egenwart unb auf SBeran»lapung beS .ftönigs griebriß Sßilßelm IV. naß ben ßlänen Stüler’s erbaut, wäß»renb bie baju geßörigen (Befeftigungeu naß ben Gntwütfen beS ©enerallieutenantSo. (JJrittwiß ßergepellt würben. Den einzigen Bugang ju ber (Burg bilbet bie burßfünf Ißorc mit Bugbrücten bebeette gaßrprape. üRit bem innen feßr pattliß unbpräßtig cingerißteten Sßlope peßen in enger (Berbinbung bie uralte unb nun re»Paurirte St. URißaelStapelle, eine neue eoangelifße Äapellc, baS SffießrßauS nebpDetonomiegebäube unb ein jicmliß umfänglißer (Burggarten. — Die ©efßißte ber(Burg Hoßenjollctn wie auß bie ber ißr entpammten gleißnanügen gürpenßäuferift burß bie grünblißen gorfßungen beS ©rafen oon Stillfricb unb beS Dr. $.(Kärcter in ißren ältepen Jßeilen aufgeßellt unb betannt unb hüben baju bie „Staß»rißten über bie tönigliße Stammburg Hoßenjollern" einen treplißen Gommentar.3US älteper betannter ülßnßerr beS HmtfeS wirb ©raf Jßafplo oon Bollern um 800aufgefüßrt. (Bereits um 980 foll ©raf griebriß I. bie Stammburg erneuert unberweitert ßaben. (Befonbere (Bcbeutung unter bcn ßoßenjollern’fßen ©rafen ßat(Rubolf II. (um 1111), bePen älteper Soßn ber Stifter ber beiben ßoßenjollern’fßenfitrplißen ßinien ip, wäßrenb ber jüngere, Äonrab I., ber Slßnßerr beS preupifßen.Üönigeßaufes würbe. GrwäßnenSwertß aus ber älteren ©efßißte ber (Burg ip bieGroberung unb Bcrftörung berfelben um bie (Biittc beS 15. SaßrßunbertS. Derfcßbelupige ©raf griebriß ber Oettinger ßatte ftß lange gegen bie ißn belagernbenSruppen beS StäbtebunbeS unb (EBürttcmbergS geßalten; enbliß warb bie geflejeboß erpürmt unb bie (Biauern ber Grbe gleiß gemaßt. 3m Sauf ber 3aßrc er»panb bie 3ollernburg oon (Reuem, um fpäter, oon ben gefürpeten (Raßfommett beSerlaußten ©rafengefßleßtS oerlapen, oom Boßne ber Beit jur (Ruine gepempelt juwerben, bis fiönig griebriß döilßelnt IV. rbaS Stammfßlop feiner Slßnen ber SBer»gepenßeit entriß unb eS neu crPcßcn ließ.