701
Gib auf den Blätterschwall! du kannst ihn nicht erhalten;Und laß die Blute sich in Himmclsluft entfalten!
8 !>.
Ist Geben seliger als Nehmen, wie man spricht,
Warum die Seligkeit gibst du dir selber nicht?
Sag' nicht, daß du genug nicht habest, um zu geben;
Branch's zum Wohlleben nicht! ein Andrer braucht's zum Leben.
90 ,
Du in Gemächlichkeit gesättigt und bekleidet,
Denkst du des Bruders auch, der friert und Hunger leidet?
An ihn zu denken nur, verstört dich im Genuß,
Bis du dem Diirft'gen gibst von deinem Ueberflnß,
91 ,
Im Frühling fühl' ich mich verbunden mit der Welt,
Wo die Natur mir selbst den Spiegel Gottes hält.
Im Winter aber muß von Zeit zu Zeit mir sagen
Ein Blick, ein Wort, ein Gruß von Herzen, die mir schlagen.
Im Lenz war jedes Laub von Freundes Hand ein Blatt;Jetzt sagt mir nur sein Brief, was er zu sagen hat.
92 ,
Falsch, lieblos ist die Welt; doch welches Herz vom GlaubenDer Liebe lebt, läßt ihn sich von der Welt nicht rauben.
Das Gute, was du an Unwürdigen gethan,
Sei nur getrost! Gott schreibt auch das für gut dir an.