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12 .
Du unbeschriebnes Blatt, nnn komm' nnd sei beschriebenDer Tochter meines Freunds, ich darf es nicht verschieben.
Ein unbeschriebnes Blatt ist jugendlicher Sinn;
Biel Schönes, Gutes drauf zu schreiben ist Gewinn.
Ein fleckenloses Blatt ist jnngfränliches Her;;
Nie furche drein die Schrift von Leidenschaft und Schmerz!
Schreib' fein bedächtig so daß nichts sei ansznstreichen;
Ein ausgestrichncS Wort ist ein entstellend Zeichen.
Ein Zug, der blaß erlischt, wird leichter angefrischt,
Ein fehlgeschricbner wird nie gründlich weggcwischl.
Vom Messerchen, wie fein es kratzte, bleibt die Spur,
Und nie wird's glatt, ob man mit Bimsstein drüber fuhr.
Was neu darauf man schreibt, das wird undeutlich fließen,Und immer drunter wird hervor das Alte sprießen.
Beglückt ist, wem ein Gott ins Buch des Lebens schrieb,Was neu ist lieb und hold, und alt bleibt hold und lieb!
13 .
Ein Dichter ist ein Thor, der das der Welt zu zeigenBemüht ist, was ihr sucht ein Weiser zu verschweigen.
Was ihm am Herzen liegt und er gradaus den LeutenNicht sagen darf, weiß er verhüllend anzndcuten.
Er hofft, sie sind nicht fein genug, es zu ergründen,
Doch ärgern würd' es ihn, wenn sie ihn nicht verstünden.