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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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24 .

Laß dich, Unwürdigen zu geben, nicht verdrießen!

Das ist ein Vorwand nur, um karg die Hand zu schließen.

Unwürdig deiner Gab' ist keiner, der's bedarf;

Wer ist, der, außer Gott, ihn schuldig sprechen darf?

Sprich lieber: Hat er sich verstrickt durch seine Schuld,

So will ihn nun durch mich entbinden Gottes Huld.

Auch sage nicht: Was hilft's, daß ich ihm helf' empor?

Er liegt im Augenblick so elend wie zuvor.

Erlieg' im Augenblick er wieder dem Geschick,

Aufhalfest du ihm doch für einen Augenblick!

23 .

Wenn du den Blinden siehst, den armen Mann, den kranken,Nach dürft'ger Gab' umher an seinem Stabe wanken:

Bedachtest du dabei, womit du das, o Kind,

Verdienst, daß du nicht auch bist arm und krank und blind?

Nicht dein Verdienst ist das, erkenne Gottes Gnaden,

Und klage nicht, daß du bist anders auch beladen.

Wie könntest du vor Scham ganz sorglos aufrecht stehn,

Und sähest so in Staub gebückt den Bruder gehn!

26 .

Die Fehler, die an dir du selbst nicht sehen kannst,

Sichst du an Andern. Weißt, was du daran gewannst?

Nicht bessern kannst du sic an Andern, doch vielleichtAn dir; das ist der Dienst, den dir ein Spiegel reicht.

Rückert, Lehrgedicht. 41