- 613
Dann als ich umschann wollt' ans halber Höhe droben.Da halt' ein Hügelland dazwischen sich geschoben.
Doch als ich angelangt mm ans dem Gipfel war,
Da lag das schöne Thal in Fernen dämmerklar.
Was mir im Reisedrang verschwanden war, vergessen,Mit sanfter Wehmnth mm erinnr' ich all mich dessen.
Die Sehnsucht trüge gern znm stillen Thal mich wieder,Allein mein Weg geht dort den andern Abhang nieder.
Ein langcntfernter Freund, ein wcitgetrcnntcr, kamSo lebhaft mir im Traum, als ich ihn nie vernahm.
Wie freute sich mein Herz, da es ihn wieder fand,
Den es verloren hatt', und ihn so nah empfand I
Doch nach derselben Nacht, da ich den Freund erworben,In kurzen Tagen kam die Kund', er sei gestorben.
Und mußt' er eben da er neu mir lebte sterben,
Und mußt' ich nur um zu verlieren ihn erwerben?
Ja, sterben, daß sich mir sein Leben neu gebäre,
Er nicht, von Zeit und Raum geschieden, todt mir wäre.
26 .
Ich bitte, wollet mir nur Seel' und Leib nicht scheiden;Vertragen lasset sich, sogut es geht, die beiden.
Ich bitte, macht nicht weis dem cingebildten Ding,
Der Seel', es sei der Leib für sie viel zu gering.
Setzt ihr nicht in den Kopf, daß gut nur sei das Gute,Das sie vollbringt, und nicht auch etwas lieg' im Blute.