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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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8 .

Du mußt nur alles nicht verlangen gleich von allen,

So wird in seiner Art dir alles Wohlgefallen.

Wenn eine duftig riecht, die andre farbig glänzt,

Ist von der einen schön die andre Blnin' ergänzt.

Und ist die eine gar geruch- und farbenreich,

Verlange nicht, sie sei auch süße Frucht zugleich.

Die schönste Blum' ist, in den Mund genommen, bitter;Denn heimlich ist ein Gift in jedem Sinncnflitter.

!».

Der Pslanzenkund'ge, der die Pflanzen will erklären,Weiß doch nicht, wie ein Dorn kann Rosenglut gebären.

Das weiß ein Dichter nur, der stille sein GemüthBelauschet, wenn ans ihm ein neues Lied erblüht.

1 ».

Mein Sohn! die Wahrheit ist in Wahrheit ganz nur Eine,Bei Gott ist sie an sich, beim Menschen nur im Scheine.

Und wenn der Mensch in sich will Gottes Wahrheit spiegeln,So muß er einen Schein mit ihrem Bild besiegeln.

Sieh einen Wahrheitsglanz in jedem Schönhcitsschein,

Nur bild' als Wahrheit ganz dir nie ein Einzles ein.

Mit diesem Blick sieh an die Welt und dieses Buch;

In diesem Sinne löst sich jeder Widerspruch.