Druckschrift 
Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

280

Halt ein den Zorn, die Gier nnd jede Leidenschaft;

Halt aus, was dich betrifft, mit starker Scelenkraft,

Halt an ;nm Guten wen nnd wo du Macht gewannst;Halt ab vom Bösen wen, von Nebel was du kannst.

Behalt' nnd halte dis, und ordne dein VerhaltenDanach; so wirst du dich nnd wirst die Welt erhalten,

73 ,

Die wahre Tugend ist nicht alle Tugend üben,

Sonst wird der eine Glan; sich durch den andern trüben.

Die wahre Tugend ist, daß jeder jede FristDas tüchtig thut, wozu er taugt und tüchtig ist.

74 ,

Ein Beter hat erzählt: Lang betet' ich nnd nickteVor Andacht endlich ein, als ich den Traum erblickte;

Ein Engel stand vor mir nnd hielt in seiner HandEin Blatt, wo jegliches Gebet geschrieben stand;

Ein jegliches, wie ich's der Reihe nach gesprochen;

Nur eine Zeile war in Mitten abgebrochen.

Da weint' ich, daß mir die verloren sollte sein;

Warum nicht trügest du dis mit dem andern ein?

Er sprach: Im Beten warst du bis hieher gekommen.

Als beim Vorübergehn der Nachbar dich vernommen,

Du wurdest auch gewahr, daß er vorüber käme.

Und sprachest lauter gar, damit er es vernähme.

Die Stelle des Gebets stahl deines Nachbars Ohr;

Nur was ein Mensch nicht hört, schreib' ich nnd trag's empor,