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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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32 .

Sieh, auf dem Pfuhl wie schwimmt das zarte Lotosblatt!So bleibt der Reine rein auch au unreiner Statt.

Es sinkt nicht in die Flut, cs ist von ihr gehoben,

Die Flut netzt unten cs, doch immer schwimmt es oben.

Es wandelt trüben Schlamm in Blüten himmelblauUnd freudig fällt darauf in jeder Nacht der Thau.

O schilt mir nicht den Pfuhl, der solche Blüte nährt!

Die dunkle Mutter ist durch's lichte Kind verklärt.

Schilt nicht die Welt, sie woll' ein reines Her; verderben;Sic will durch's reine Herz die Reinheit selbst erwerben.

Die Lotosblume blüht darum in Herzgcstalt,

Daß du zufrieden seist mit deinem Aufenthalt.

33 .

Die Pfeile des Geschicks fliegen nach allen Seiten,

Und Menschentugcnd ist machtlos zum Gegenstreiten.

Nur eine Schntzwehr bleibt, sich ohne Schuld bewahren.

Um nicht zu äußerm Sturm auch innern zu erfahren.

Denn zwar nicht ganz anfwiegt Unschuld des Schicksals Last,Doch leidest du nur halb, was du verdient nicht hast.

34 .

Wol mancher Mann, wie groß geworden ist sein Heil,Mag meinen, daß ihm viel zu wenig ward zu Theil;

Und wollt' er sich mit Ernst erprüfen, nicht znm Spiel,Müßt' er gestehn, daß ihm zu Theil ward viel zu viel.