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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
Entstehung
Seite
169
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16 !)

93 .

Tie Abendröthe kam und sah zum Tod ermattet

jTas Leben, Schlummer half, und sanft ward es bestattet.

Aie Nacht im Trauerflor, die dunkle Klagcfrau,

Weng hinterdrein und Weins ans Sternen kalten Thau.

^Doch Morgenröthe kam heran mit gliihndcn Wangen,

Und rief: Wo ist mein Kind? ich glich' es zu umfangen.

Westorben! rief die Nacht mit letztem Thränengnß.

«Da weckt' es rasch vom Schlaf der Morgenröthe Kuß.

Wie holde Mutter sprach : O dürft' ich bei dir bleiben !Doch schon die Sonne flammt, von dir mich zu vertreiben.

Leb' wohl! auch diesen Tag und jeden mußt du sterben,Doch neues Leben stets von meinem Hauch erwerben.

96 .

Wie wenig wissen doch die Menschen sich zu sagenDes Sagenswerthen, die sich in Gesellschaft plagen!

Alsob erträglicher dadurch die LangeweileDem einen sei, daß er sie mit den Andern theile.

Wo Ungelehrte unerträglich thnn gelehrt,

Da thnn Gelehrte nun gar kläglich ungelehrt.

Nur selten im Gespräch entwischt ein gnkör Spruch,Weil jeder, was er weiß, spart lieber für ein Buch.

97 .

Das Mittelmäßige nur ist des Guten Feind,

Das Schlechte nicht, weil Schlecht und Gut sich nie vereint.