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Die Weisheit des Brahmanen : ein Lehrgedicht
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22 .

Was schlichtet, Herz, den Streit, der dich mit dir entzweit?Die Gottesfurcht, die dich von aller Furcht befreit;

Von aller Furcht der Welt und weltlicher Geschicke,

Von aller Furcht vor dir, dem quälendsten der Stricke.

Verfroren kann dich nichts, wenn du dich nicht verstörst.

Und frei nnr fühlst du dich, wenn du dem Herrn gehörst.

Wie schön ist's, einen Herrn statt vieler Herrn zu haben,Der seine Diener kann mit Herrlichkeit begaben!

23 .

Die Helle Gotteswelt, wie steht sie voll GebildeSchönleuchtender, wie hell voll Blumen ein Gefilde!

Und was du selber thust, und was du selber bist,

O fühle, wie's voll Lust Blum' unter Blumen ist.

So blühe dich nur aus, so dufte nur und lebe;

Und pflückt mau dich znm Straus, vor Blnmentod nicht bebe.

2i.

So mancher klagt und sagt, daß ihn die Welt verkennt;

Doch kann er sagen wol, daß er sich selber kennt?

Kennst du dich nicht, woran erkennst du mein Verkennen?

Wer nicht verkannt will sein, muß erst sich selbst erkennen.

.

Wer selber sich beherrscht, beherrschet auch die Welt,Weil stets das Aeußere des Innern Spiegel hält.