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Kapitel XXXIX.
„Sie wird durch den Tod des Körpers nicht zerstört, sondernerhält nach dem Tode ein edleres Seyn. Denn dann wendet sie sichganz znm wirkenden Verstand wie zur Form und erkennt dadurch, freivon der Materie, was ihre höchste Glückseligkeit ist. Auch war sienicht vor dem Körper, denn sie ist ja Bewegerin des Körpers, so we-nig einer Schiffer ist vor dem Schiffe."
„Es ist ein Wahnsinn, zu behaupten, von allen Seelen bleibe nachdem Tode nur eine zurück, weil die Seelen nur durch den Körper in-dividuirt würden
Endlich redet Albert wie Aristoteles noch von den Bewcgungs-krästen der Seele.
Gegenüber dem Averroes sagt Albert: „Das Herz ist nicht Ur-sache der Bewegung, wie die Anatomie beweist, sondern diese voll-zieht sich durch die Muskeln. In jedem beweglicheil Muskel sehenwir einen Nerv hervorgehcn bis zu dem Gliede, das bewegt wird ^)."
lieber das Gewissen und den freien Willen (liberum urbitrium)gibt Albert treffliche Andeutungen ^).
Endlich spricht er sich noch mit Entschiedenheit über das Verhältnißjener Theile der Seele ans, indem er sagt: „Das Sensible, Vegetative undRationale sind beim Menschen in Einer Seele. Die irren, welche sagen,zuerst sei im Embryo das Vegetative, dann komme das Sensible undendlich das Intellektuelle; und zwar käme das Letztere von Außen,während die Andern von Innen sich entwickeln. Die Seele hat im-mer alle ihre Kräfte, aber sie gebraucht sie nicht immer alle. Dieeinen Kräfte werden verdorben durch das Alter und die Schwäche desKörpers, wie ein Schiffer geschwächt ist, wenn sein Schiff zerbrochenoder zerrissen ist."
„Die Seele ist im Samen, nicht wie der Akt in dem, dessen Akter ist, sondern wie der Künstler im Kunstwerk ^)."
So, sehen wir, hat Albertus die Psychologie des Aristoteles we-sentlich erweitert, berichtigt, näher bestimmt und mit treffenden Gedan-ken dnrchwebt.
Während er hier mit Zngrundlegung der bekannten aristotelischenSchrift das seelische Leben in Kürze geschildert, hatte er zum Theilschon früher in einzelnen eigenen Abhandlungen mit größerer Ausführ-
1) De Llliius x. 170.
2) Ibiä. x. 179.
3) Idiä. x. 180.
4) Idiä. p. 189.