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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXXI.

Inhalt der Rede mittheilen, welche er im päpstlichen Conflstorinm da-selbst gehalten, so können wir wohl schwerlich jene Reise des alte»Meisters läugnen, ohne die Gesetze der Geschichtschreibung zu ver-letzen '). Solche Einzelnnachrichtcn werden nicht erfunden.

Das Schweigen der Kirchcnhistoriker über seine Wirksamkeit inLyon ist leicht erklärlich. Albertus bekleidete weder in der Kirche nochim Orden mehr ein höheres Amt, bas seine Anwesenheit am Concilihm zur Pflicht gemacht hätte. Er hatte auf demselben keinen Sitzund keine entscheidende Stimme. Daß ihn aber der Papst als gelehrteAutorität zur Berathuug der vorliegenden theologischen Fragen nachLyon berufen , ist deßwegen schwer anznnehmcn, weil Albertus be-reits in einem Alter stand, das eine so weite Reise und solche geistigeAnstrengung unmöglich zu machen pflegt, und weil bereits Thomas,sein Schüler, als Vertreter des ganzen Ordens und seiner Wissenschaftberufen war. Also konnte unser Albertus wohl keine so auffallendewichtige Rolle in jener großartigen, glanzstrahlcndcn Versammlung vonFürsten der Kirche spielen, um die Augen der Geschichtschreiber auf sichzu ziehen. Wahrscheinlich war er überhaupt nicht als päpstlicher Theo-log gegenwärtig und bei den allgemeinen Sitzungen des Concils thä-tig, sondern als Diplomat, als Gesandter des edlen deutschen KönigsRudolph von Habsburg, der vor Kurzem (am 29. September 1273)von den deutschen Churfürsten war zum Oberhaupt des Reiches er-wählt worden, um der langen unseligen Verwirrung ein Ende zumachen und den Frieden zwischen Staat und Kirche zu begründen.Der greise Albertus, dessen politische Wirksamkeit so oft schon mitglücklichem Erfolge gekrönt worden, sollte hier wohl die feierliche An-erkennung des Ncugewählten durch den Papst und die Häupter derKirche mittelst seines Zeugnisses, seiner Weisheit und Beredsamkeit zuStande bringen. Vielleicht hatten die Churfürsten von Köln undMainz, die jene Wahl Rudolphs bewirkt, den Albertus zu solchemWerke empfohlen in der Ueberzengnng von seiner glänzenden Bered-samkeit und außerordentlichen Geschäftskenntniß. Uebrigens war Ru-dolph selbst kürzlich durch Köln gezogen, als er von der Kaiserkrönungzu Aachen heimkehrte, und konnte hier persönlich den Albertus ge-sprochen haben. Diese politische Verhandlung geschah aber nicht ineiner Sitzung des allgemeinen Concils, sondern im Conststorium, dasnebenher gehalten wurde. Und so erklärt sich, warum die Geschicht-

1) Prussia spricht davon S. 278 280. Noch ausführlicher Rudolph.

2) Rudolph gibt dieses an.