Zähringcn. 301
Ein Köhlerkleid nun legt er an dem Kaiser gleich am Morgen,
Doch keinerlei Verfolger nahn, der Ort ist zu verborgen.
Bald mag der Köhler seinen Schatz ihm nimmermehr verschweigen,Und führt ihn zum geheimen Platz sein Glück ihm dort zu zeigen.
„Jndess, o Herr! ihr auf der Flucht euch habt herumgeschlagen,
Da haben eine seltne Frucht die Kohlen mir getragen."
Mit diesen Worten deckt er ab die Moos- und ErdenhülleUnd schüttet aus dem Felsengrab des Goldes reichste Fülle.
„Da nehmt, mein Fürst! was ich bisher gesammelt Hab an Golde,Und werbt damit ein neues Heer, hier ist genug zum Solde!Gequollen ist mir dieses Glück aus meinem Kohlenfeuer;
Führ es euch bald zum Thron zurück! nehmt! es ist Alles euer!"
Der Kaiser ruft: „O helfe bald mir Gott zu deinem Lohne!
Nie dacht ich, daß in diesem Wald noch solche Treue wohne.Sobald ich aus des Feindes Macht mein Reich befreiet habe,
Sei dir zuerst mein Dank gebracht für eine solche Gabe!"
Und Segen wohnt in diesem Gold; bald im gerechten KriegeWird neu das Glück dem Kaiser hold und führet ihn zum Siege;Kaum hat er wieder seinen Thron auf Lorbern aufgeschlagen,
Sorgt er vor Allem, seinen Lohn dem Köhler abzutragen.
Aus seiner Wälder stillem Schooß läßt er den Jüngling holen,
Und spricht: „Sieh! dieser Segen stoß allein aus deinen Kohlen!Empfange meiner Tochter Hand zu deiner Treue Ruhme,
Und auch des Breisgaus reiches Land zu deinem Herzogthume.
„Zähringen Hab ich es benannt nach deinem Heimatsthale,
Wo einst dein Meiler hat gebrannt mit solchem goldnen Strale;
Zu deinem Stammschloß nah daran sollst du den Grundstein legen,Und möge dein Geschlecht fortan erblühn im ewgen Segen!"
August Schnezler.