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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Worms.

Der Brunnen war lauter, kühl und auch gut;

Da neigte sich Günther hernieder zu der Flut.

Als er getrunken hatte, erhob er sich hindann;

Also hätt auch gerne der kühne Siegfried gethan.

Da entgalt er seiner Tugend: den Bogen und das SchwertTrug Hagen beiseite von dem Degen Werth.

Dann sprang er schnell znrücke, wo er den Wurfspieß fandUnd sah nach einem Zeichen an des Kühnen Gewand.

Als Siegfried der Degen aus dem Brunnen trank,

Schoß er ihm durch das Kreuze, daß aus der Wunde sprangDas Blut seines Herzens hoch an Hägens Staat.

Kein Held begeht wieder also große Missethat.

Der Held in wildem Toben von dem Brunnen sprang;

Ihm ragte von den Schultern eine Sperstange lang.

Nun wähnt er da zu finden Bogen oder Schwert,

So hätt er Lohn Herrn Hagen wohl nach Verdienste gewährt.

Als der Todwunde das Schwert nicht wiederfand,

Da blieb ihm nichts weiter als der Schildesrand;

Den hob er auf vom Brunnen und rannte Hagen an:

Da könnt ihm nicht entrinnen König Günthers Unterthan.

Wie wund er war zum Tode, so kräftig doch er schlug,

Daß von dem Schilde nieder träufelte genugDes edeln Gesteines: der Schild zerbrach ihm fast:

Wie gern gerochen hätte sich der herrliche Gast.

Gestrauchelt war da Hagen von seiner Hand zu Thal;

Der Anger von den Schlägen erscholl im Wiederhall.

Hätt er sein Schwert in Händen, so wär es Hägens Tod:Sehr zürnte der Wunde; cs zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen, er konnte uicht mehr stehn:Seines Leibes Stärke muste gar zergehn,

Da er des Todes Zeichen in lichter Farbe trug.

Er ward hernach beweinet von schönen Frauen genug.