Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

Lorsch.

283

Also flehen sie um Hilfe.

Sieh, da hebt es sich im SchilfeUnd des Nixen Stimme tönt:

„Soll der alte Segen thauen,

Die Capelle müßt ihr bauen,

Und die Göttin ist versöhnt/'

Jauchzend hört man sies geloben,Und der blauen Flut enthobenLäßt der Nix die Flöte klingen.

Leise, leise tönt die Weise,

Weithin zieht sie doch die Kreise,

Kann sich meilenweit erschwingen.

Und in Ebne, Verg und WaldRührt sich kleines Volk alsbald:Braun und gelb in KribbelwogenKommt es meilenweit gezogen,

Nach dem Tactc wie im TrabZappelgliedcr eifrig regend,

Und die Geißel dieser GegendNimmt der Waßermann hinab.

Gleich entsteigt ein süßes Düften,Bildet Wolken in den LüftenUnd hernieder senkt der RegenSich in Bächen:

Welch ein Segen!

Augen treiben, Knospen brechen,Blüthen glänzen, Reiser schießen:

Seht ihrs wachsen, seht ihrs sprießen?Eh ihr von dem PilgerzugHcimkehrt, seid ihr reich genug.

Froh zerstreuen sich die Scharen.Laßen sie nun Steine fahren,

Brennen sie zum Bau den Kalk?

Nein, sie lärmen in den Schenken,Altes Leid gar zu ertränken:

Das Versprechen war ein Schalk.