Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

Hier standen Die des Ratbes und welch ein Mcnschenspiel!

Er richtet seine Büchse und äugelt nach dem Ziel.

Ein Schuß, ein Schuß! Getroffen, und an den rechten Ort.Seht ihr das runde Löchlein in der Wetterfahne dort?

Gieb Acht, da schießt er wieder! und auch nicht abgeblitzt!

Ich seh ein zweites Löchlein, das bei dem ersten sitzt.

Ein drittes jetzt, ein viertes! der Hansel blickt so frech:

Mit nenn Kugeln schießt er den schönsten Neuner ins Blech.

Die Menge jauchzt, die Räthe flüstern unter sich:

„Hans Winkelscc, wir wißen ein schönes Glück für dich.

Uns fehlt ein Schützenhauptmann, willst du der sein, so sags:Du solltest dich nicht weigern, es gereut dich eines Tags." —

„Stadtschützenhanptmann begehr ich nicht zu sein:

Ich geh durch die Wälder mit meiner Büchs allein.

Auf den Dächern klirren die Wimpel zu sehr;

Ade, hier war der Hansel, her kommt der Hänsel nicht mehr."

K. S.

127. Die Welsmutter.

Zn Frankfurt an der Brücken,

Da zapfen sie Wein und Bier,

Da haben sic ein Mädchen betrogen,Betrogen um ihr Ehr.

Der Vater gieng über die Gaßen,

Er gieng nach der Weismutter hin:„Könnt ihr meiner Tochter nicht helfen,Daß sie als eine Jungfer besteht?"

„Eurer Tochter kann ich wohl helfen,Daß sie als eine Jungfer besteht:

So wollen wir das Kind umbringen,Und legen der Magd ins Bett!"