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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Mainz.

„Zum andern Mal gelobt' ich das Hcimgeleit dir nicht:

Drum geh nur mit den Häschern getrost zum Hochgericht."

Er gieng, mit welchen Wünschen, das meldet nicht das Lied;Doch nahm kein gutes Ende, der so die Treue verrieth.

K. S,

113. Die goi-ne Halskette.

„Gott grüß euch, lieber Meister: der Bischof schickt mich her,

Er hat bei euch die Kette bestellt, von Golde schwer,

Die soll ich sehn und fragen, ob sie ihm bald bereit;

Schon morgen soll er kommen, dem er bestimmt das Geschmcid."

Da sprach der Schmied: „Ich schaffe daran bei Tag und Nacht,Noch fehlt die letzte Feile, so ist das Werk vollbracht.

Ich weiß, ihr lobt die Arbeite seht her, wie fest und stark!

Es ist daran verschmiedet rothcn Goldes sieben Mark."

Der Ritter nahm die Kette, die Ringe zu beschaun:

Das könnt er nicht, er fühlt' es sich vor den Augen graun.

Sie standen ihm voll Thräncn der Wchmuth nnbewust;

Auch rang sich ihm ein Seufzer aus der tief bewegten Brust.

Der Goldschmied sprach: Ihr seufzet, mich dünkt, ihr weinet gar!Was ist euch? macht den Kummer mir redlich offenbar.

Soll ich nicht weinen? rief er, da dieser Kette GlanzSo bald erlischt im Blute des alleredelsten Manns,

Heinrichs des Sachsenhcrzogs! denn seinen Hals umschnürtSie morgen schon, des Fürsten, dem all dieß Reich gebührt.

Da sprach'der Schmied gelaßen: Was kümmert mich das Reich?Bezahlt man mir die Arbeit, alles Andre gilt mir gleich."

So sprach er und verstellte sein Herz, der treue Mann.

Als er das Werk vollendet, da Hub er sich hindannUnd gieng dem Herzog Heinrich entgegen, nicht gar weit,

Denn schon in Castel traf er den Herrn mit cdelm Geleit.