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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Oberstein.

108. Die Felleickirche zu Dberstem.

Ich komm als ein büßender Pilger gegangen,Vergebung der Sünden, Herr Pabst, zu erlangen.Die Firnen der Alpen, den ewigen SchneeSchon Hab ich gcröthet mit blutendem Zeh.

„Laß dein Vergehen uns, Ritter, erfahren,

Die wir die Schlüße! des Himmels bewahren.

Und haben dich Flammen der Reue durchwallt,Uns wurde zu binden, zu lösen Gewalt."

Wohl muß ich unselger That mich verklagen:

Ich habe den eigenen Bruder erschlagen.

Von der Väter Schloß auf ragendem SteinWarf ich hinab fein zerschmetternd Gebein.

„O wehe, wie sprichst du gelassenes Muthes!Gedenke des himmelan schreienden Blutes.

Kein Opfer versühnte, vertilgte die Spur,

Ihr schaudert, im Tiefsten empört, die Natur."

Mich reizte der Bruder auch widernatürlich:

Er wüste zu wohl, wie mir unwillkürlichJede Fiber erbebte, das Blut mir gerann,

Wenn eine Katze mich schleichend umspann.

Da steckte der Bruder mir, heiliger Vater,

In den Stiefel den scheuslichen, blinzcndcn Kater.Ich fuhr hinein und wie ward ich begrüßt!

Das hat mit dem Leben der Spötter gebüßt.

„Nein lächelt nicht, Säulen des römischen Stuhles,Beweinet die Seele, die Beute des Pfuhles.

Sie ward nicht vom Feuer der Reue durchlobt,

Ihr ist mit dem ewigen Feuer gedroht.